Akt Neurol 2009; 36 - P511
DOI: 10.1055/s-0029-1238605

Ökonomische Auswirkungen generischer Substitution von Topiramat in Deutschland

M Gaudig 1, M Sheng Duh 1, N Mishagina 1, Y Moore 1, P Lefebvre 1, PE Paradies 1
  • 1Neuss; Boston, USA; Québec, CAN

Hintergrund: Die generische Substitution von Originalpräparaten kann mit sinkenden Ausgaben für das Gesundheitssystem einhergehen und zu einer Marktausweitung führen.

Ziel: Abschätzung der klinischen und ökonomische Auswirkungen des Eintritts von Topiramat Generika in Deutschland.

Methode: Aufgrundlage retrospektiver Daten der kanadischen Versicherungsdatenbank RAMQ der Provinz Québec (01/06–09/08) sowie von IMS Health (1998–2008) erhobenen Umsätzen von Antiepileptika (AED) wurden sowohl die patientenindividuelle Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen als auch die hierfür anfallenden Kosten berechnet. Ein offenes Kohorten-Design wurde gewählt, um die Beobachtungen in sich ausschließende Beobachtungszeiträume von Topamax® und generischem Topiramat zu unterscheiden. Die jährlichen Gesundheitskosten von Topamax® und generischem Topiramat (Basisjahr 2007) wurden unter Berücksichtigung der Markt- und Preisveränderungen sowie pharmazeutischer und anderer Versorgungskosten auf Deutschland übertragen. Mithilfe eines autoregressiven Modells und eines Panel-Daten Regressionsmodells wurde der Einsatz von Topamax® und von generischem Topiramat für die ersten 12 Monate nach erwartetem Generikaeintritt (09/2009–09/2010) prognostiziert. Die budgetären Auswirkungen wurden für öffentliche und private Kostenträger, sowie für Patienten bewertet.

Ergebnisse: Es wird erwartet, dass die Versorgungskosten pro Patient und Jahr (excl. Topiramat-Kosten) nach dem Einsatz von generischem Topiramat signifikant höher als für Topamax® ausfallen (€710, p=0,001). Unter der Annahme, dass die generi-sche Substitution für alle Topamax® Patienten verpflichtend wäre, würden die Gesamtkosten für die Versorgung in Deutschland um 23,2% innerhalb eines Jahres nach Generikaeintritt ansteigen. Die medikamentunabhängigen Versorgungskosten (+16,6%) würden die Einsparungen aufgrund des zu erwartenden Preiseffektes bei Topiramat (-11,1%) deutlich übersteigen. Dieser Anstieg würde gleichmäßig unter den Kostenträgern aufgeteilt werden.

Schlussfolgerung: Der Einführung von generischem Topiramat in Deutschland würde ein Missverhältnis zwischen den reduzierten Kosten für Topiramat und dem gleichzeitigen Anstieg der Versorgungskosten bedeuten. Dieser wäre durch höhere Ausgaben für andere AED und nicht-AED, steigende Anzahl und Länge von Kran-kenhausaufenthalten und höhere Inanspruchnahmeraten in der ambulanter Versorgung bedingt.