Physikalische Medizin, Rehabilitationsmedizin, Kurortmedizin 2009; 19 - A30
DOI: 10.1055/s-0029-1238204

Räumlich-zeitliche Gangparameter in der Lebensspanne

R Schwesig 1, C Hintze 1, D Fischer 1, R Kauert 1, S Wust 1, S Leuchte 1
  • 1MLU, Halle-Wittenberg

Fragestellung: Lassen sich mit dem portablen, inertialbasierten Ganganalysemesssystem RehaWatch räumlich-zeitliche Gangparameter über die gesamte Lebensspanne erheben? Sind die räumlich-zeitlichen Gangparameter geschlechts- und altersabhängig?

Methodik: 1041 Probanden im Alter von 2–86 Jahren, ohne gangrelevante neurologische oder orthopädische Befunde, wurden ganganalytisch untersucht. Die Untersuchung erfolgte einmalig und beinhaltete drei Versuche über eine Gehstrecke von 20m. Berechnet wurden die räumlich-zeitlichen Gangparameter sowie die daraus resultierenden Symmetrieindexe auf der Basis der Berechnungsvorschrift von Robinson et al. (1987) modifiziert nach Karamanidis et al. (2003). Folgende Alterseinteilung wurde verwendet: <10,0, 10,1–15,0, 15,1–20,0, 20,1–30,0, 30,1–40,0, 40,1–50,0, 50,1–60,0, 60,1–70,0, >70,0. Als Referenzkategorie für die einfaktorielle, univariate Varianzanalyse fungierte die Altersgruppe 20,1–30,0 Jahre.

Ergebnisse: Insgesamt zeigte sich nur eine geringe Geschlechtsabhängigkeit. Lediglich im Parameter Maximaler Bodenabstand fanden sich in 6 von 9 Altersgruppen signifikante Geschlechtsunterschiede. Demgegenüber zeigten sich in den Parametern Schrittlänge (Eta2=0,368), Maximaler Bodenabstand (Eta2=0,350), Aufsetzphase (Eta2=0,215) und Gehgeschwindigkeit (Eta2=0,167) deutliche altersabhängige Unterschiede. Der Parameter Maximaler Bodenabstand wies erhebliche Seitigkeitsdifferenzen (Eta2=0,364) auf, die stark mit dem Alter (Eta2=0,383) und nur gering mit dem Geschlecht (Eta2=0,068) assoziiert waren.

Diskussion: RehaWatch erwies sich als ein praktikables (Testdauer: 5–7min) und reliables Ganganalyseassessment. Die räumlich-zeitlichen Gangparameter sind wesentlich stärker vom Alter als vom Geschlecht abhängig, wohingegen die Symmetrieparameter nicht mit diesen Prädiktoren konfundiert waren. Die erhobenen Referenzdaten ermöglichen eine valide Einordnung und Interpretation von Ganganalysedaten.