Frauenheilkunde up2date 2009; 3(6): 445-459
DOI: 10.1055/s-0029-1224710
Geburtshilfe und Perinatalmedizin

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart ˙ New York

Regelwidrigkeiten der Nabelschnur

R. Faber
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Publication Date:
15 December 2009 (online)

Kernaussagen

Die Nabelschnur und ihre Gefäße gewährleisten die fetoplazentare Zirkulation; damit beeinflussen alle Veränderungen der normalen Struktur oder Insertion der Nabelschnur die uteroplazentare und fetale Zirkulation mit gegebenenfalls gravierenden Folgen für das Überleben des Feten. Abweichungen können sich ergeben hinsichtlich der Anatomie der Nabelschnur (z. B. Länge, Zysten, Varizen, Anzahl der Gefäße), ihres Verlaufs (Umschlingung, Knoten) oder ihrer Insertion (Insertio velamentosa, Vasa praevia).

Die Nabelschnur und ihre Gefäße sind sonografisch sehr gut darstellbar. Verlauf und Dicke sowie die Anzahl der Gefäße zeigen sich schon im B-Bild. Besser gelingt die Bildgebung mithilfe der Farbdoppler-Sonografie, z. B. wenn die Darstellung einer freien Schlinge erschwert ist. Die Sonografie der Nabelschnurgefäße gehört zu jeder geburtshilflichen Fehlbildungsdiagnostik, da z. B. die singuläre Nabelschnurarterie oder eine persistierende rechte Nabelschnurvene assoziiert sind mit einer erhöhten Häufigkeit anderer angeborener Anomalien. Ebenso ist der Ausschluss einer Insertio velamentosa und ggf. Vasa praevia sonografisch zwischen der 18. und 22. SSW praktisch immer möglich und sollte wegen seiner klinischen Bedeutung auch gefordert werden.

Das Management bei Veränderungen der Nabelschnur reicht von sorgfältiger Kontrolle des kindlichen Wachstums (z. B. bei Längenabweichungen oder singulärer Nabelschnurarterie) über eine erweiterte Ultraschalldiagnostik, um begleitende Anomalien auszuschließen (z. B. bei Zysten, Varizen, persitierender rechten Nabelschnurvene) bis hin zu einer vorgezogenen vaginalen Entbindung bei Varizen oder echtem Nabelschnurknoten oder einer frühen elektiven Sektio bei Nabelschnurverschlingung von Mehrlingen, tiefsitzender Insertio velamentosa oder bei Vasa praevia.

Literatur

Prof. Dr. med. R. Faber

Zentrum für Pränatale Medizin Leipzig

Johannisplatz 1

04103 Leipzig

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