Endoskopie heute 2009; 22(3): 159-163
DOI: 10.1055/s-0029-1224665
Editorial

© Georg Thieme Verlag Stuttgart ˙ New York

Der Gastroenterologe und die Fettsucht

Obesity and the GastroenterologistE. M. H. Mathus-Vliegen1
  • 1Department of Gastro­enterology and Hepatology, Academic Medical Center, Amsterdam, The Netherlands
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Publication Date:
30 October 2009 (online)

Fettsucht und Gastroenterologe

Die Fettsucht (Body-Mass-Index BMI ≥ 30 kg / m2) ist eine chronische, unheilbare und lebensbedrohliche Erkrankung mit übermäßiger Fettspeicherung. Das absolute und relative Übermaß an Fettgewebe und die viszerale Verteilung des Fettes bedingen das individuelle Risiko eines vorzeitigen Todes und fettsuchtassoziierte Komorbiditäten.

Mit der Fettsucht ist eine beträchtliche Verminderung der Lebenserwartung assoziiert. Eine ­aktuelle Analyse von 57 prospektiven Studien hat den Zusammenhang von BMI und gesamt- und ursachenspezifischer Mortalität untersucht [1]. Bei beiden Geschlechtern war die Mortalität am geringsten, bei etwa 22,5 bis 25 kg / m2.

Unter Berücksichtigung des Alters, Geschlechts und von Rauchgewohnheiten sowie nach einer Korrektur für eine umgekehrte Kausalität wurde bei einem BMI von 30–35 kg / m2 das mittlere Überleben um 2–4 Jahre reduziert und bei einem BMI von 40–45 kg / m2 um 8 bis 10 Jahre. Jede 5 kg / m2 BMI-Erhöhung war mit etwa 30 % höherer Gesamtmortalität assoziiert, 40 % für vaskuläre Mortalität, 120 % für den Diabetes, 60 % für die renale, 82 % für die hepatische Mortalität, 10 % für die „neoplastische“ Mortalität und 20 % für die respiratorische Mortalität. In der EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) waren sowohl die allgemeine ­Adipositas als auch die abdominelle Adipositas mit einem signifikanten Letalitätsrisiko assoziiert [2].

Es gibt verschiedene Gründe, warum sich Gastroenterologen um diese fettsüchtigen Patienten kümmern sollten. In erster Linie deshalb, weil die Gesundheitsfolgen gravierend sind. Fast jedes Organsystem ist von der Fettsucht betroffen und der Verdauungstrakt ist ebenso einbezogen.

Zweitens ist der Gastrointestinaltrakt an der ­Regulation der Energiebalance beteiligt und viele Behandlungen konzentrieren sich auf den Verdauungstrakt.

Dritter Grund ist das zunehmende Interesse an bariatrischer Chirurgie. Die Gastroenterologen sollten sich an der multidispziplinären Behandlungsgruppe beteiligen. Dies schließt die gründ­liche Kenntnis der chirurgisch veränderten Ana­tomie mit ihren Komplikationen und Neben­wirkungen ein, die sich je nach chirurgischer ­Interventionsmethode unterscheiden [3].

Für die Bewältigung postoperativer Probleme und Komplikationen ist der Gastroenterologe unverzichtbar. Häufigste Indikationen für eine gastroenterologische Konsultation und für eine Endoskopie sind Symptome, die daraus resultieren, dass viele der Komplikationen und Nebenwir­kungen der Gewichtsreduktionsprozeduren aus Veränderungen des Gastrointestinaltrakts resultieren, das Management erwarteter Komplika­tionen und die Einordnung einer ausbleibenden Gewichtsreduktion [4] [5] .

Literatur

Prof. Dr. med. H.-J. Schulz

Klinik für Innere Medizin · Sana Klinikum Lichtenberg

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