Frauenheilkunde up2date 2009; 3(4): 273-288
DOI: 10.1055/s-0029-1224569
Geburtshilfe und Perinatalmedizin

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart ˙ New York

Alltagsrelevante Infektionen von Schwangeren – Diagnostik und Therapie

K. V. Ruether, I. Hösli, J. Bitzer, O. Lapaire
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Publication Date:
14 August 2009 (online)

Kasuistik zum fallorientierten Lernen

Symptome und Klinik

32-jährige G I PO in der 32. SSW stellt sich mit rechtsseitigen Rückenschmerzen vor. Zudem bemerkte die Patientin in den letzten Tagen vermehrt einen „harten Bauch”. Aktuell fühlt sie sich fiebrig und insgesamt sehr müde. Sie präsentiert sich in einem deutlich reduziertem Allgemeinzustand.

Anamnese

Zu Beginn der Schwangerschaft litt die Patientin an einer Emesis gravidarum. In der 25. SSW wurde eine asymptomatische Hydronephrose rechts diagnostiziert. Die sonstigen Ultraschalluntersuchungen des Feten waren unauffällig. Die Patientin berichtete von keiner Dysurie oder Pollakisurie.

Arbeitshypothese / Differenzialdiagnose

Verdacht auf Pyelonephritis rechts, evtl. vorzeitige Kontraktionen.

Diagnostik

Bei der klinischen Untersuchung zeigte sich eine deutliche Klopfdolenz des rechten Nierenlagers. Im CTG war zudem eine regelmäßige Wehentätigkeit zu beobachten, die fetale Herzfrequenz lag bei 170 Schlägen / Minute. Temp: 39,2 °C, Blutkulturen wurden abgenommen. Urinstix: viele Leukozyten, Nitrit positiv. Urin wurde eingeschickt.

Spekulum: Vulva und Vagina unauffällig, Fluor unauffällig, im Nativ wenige Leukozyten. Fibronektin-Test positiv.

Ultraschall: Die Zervix hatte im Ultraschall eine funktionelle Länge von 8 mm und war damit deutlich verkürzt.

Intakte intrauterine Schwangerschaft, altersgerecht entwickelt.

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Abb. 2

Nieren-Ultraschall: rechte Niere mit Stauungsgrad II, linke Niere unauffällig.

Im Labor zeigte sich eine Leukozytose von 25 000 und eine CRP-Erhöhung auf 45 mg / l, Serum-Kreatinin im Normbereich.

Therapie

Die Patientin wurde stationär aufgenommen. Zur Therapie der Pyelonephritis erhielt die Patientin eine i. v.-Therapie mit Amoxicillin plus Clavulansäure 2,2 g alle 8 h. Zur Fiebersenkung und Schmerzlinderung wurde zunächst mit Perfalgan i. v. begonnen, später konnte auf Dafalgan p. o. umgestellt werden. Zusätzlich wurden zur Hydratation Infusionen mit Ringer-Lactat (2 l / 24 h) verabreicht.

Aufgrund der portiowirksamen Kontraktionen wurde die Indikation zur Lungenreifung gestellt. Es wurde zweimalig im Abstand von 24 h Betamethason (12 mg) i. m. verabreicht und mit einer Tokolyse begonnen. Unter Hexoprenalin 24 ml / h beruhigten sich die Kontraktionen nur wenig. Nach einer Steigerung auf 36 ml / h wurden weder Kontraktionen im Tokogramm aufgezeichnet noch von der Patientin Wehen verspürt.

Weiterführende Betreuung

Die Patientin wurde weiterhin mit i. v.-Antibiotika therapiert, bis sie sich für 48 h fieberfrei zeigte. In den Laborergebnissen des Urins konnte E. oli nachgewiesen werden, der sich im Antibiogramm auf Ampicillin sensibel zeigte.

Nach abgeschlossener Lungenreifung wurde die Tokolyse gestoppt. Die Patientin zeigte danach keine Wehentätigkeit mehr.

Im Kontroll-Ultraschall wurde eine stabile Zervix von 8 mm gemessen.

Die Patientin konnte nach Hause entlassen werden. Jedoch ist eine körperliche Schonung empfehlenswert. Für die restliche Schwangerschaftsdauer wurde eine Arbeitsunfähigkeit ausgestellt. Die Patientin wurde weiterhin wöchentlich kontrolliert. Dabei erfolgte neben der klinischen Kontrolle jeweils eine Urinkontrolle. Die Patientin brachte in der 38. SSW einen lebensfrischen Jungen zur Welt.

Literatur

Dr. med. K. Ruether

Frauenklinik · Universitätsspital Basel

Spitalstraße 21

CH-4031 Basel

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