Frauenheilkunde up2date 2009; 3(3): 211-224
DOI: 10.1055/s-0029-1224500
Geburtshilfe und Perinatalmedizin

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart ˙ New York

Vorzeitiger Blasensprung

S.  Schmidt
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Publication Date:
29 June 2009 (online)

Kasuistik zum fallorientierten Lernen

Anamnese

Aufnahme einer 31-jährigen I.-Gravida, 0 Para in der abgeschlossenen 28. SSW (28 + 1) mit Verdacht auf Blasensprung. Die Patientin ist Raucherin und hat auch während der Schwangerschaft ca. 10 Zigaretten am Tag geraucht. Im Risikoprofil findet sich darüber hinaus eine belastende berufliche Tätigkeit (stehend).

Untersuchung

Bei Aufnahme der Patientin erfolgt die Spekulum-Untersuchung unter sterilen Kautelen; hierbei wird der Abgang von Flüssigkeit aus dem Zervikalkanal gesichert (klinisch eindeutiger Blasensprung).

Es erfolgt ein mikrobiologischer Abstrich sowie die Beurteilung eines Frischpräparates (Mischflora).

Ultrasonografisch findet sich eine normale Fruchtwassermenge sowie ein zeitgerechtes Wachstum bei der Biometrie. Das biophysikalische Profil ist unauffällig, die mütterlichen und fetalen Dopplerparameter liegen im Normbereich.

Bei der Aufnahme ist die Patientin fieberfrei. Die mütterliche Herzfrequenz liegt bei 80 Schlägen / min.

Die Kardiotokografie ergibt ein unauffälliges Muster (FIGO 9). Die kindliche Herzfrequenz liegt bei 135 Schlägen / min (Basalfrequenz).

Der Leukozytenwert bei Aufnahme ist 11 000 / µl, das CRP beträgt < 5 / l.

Diagnose

Früher vorzeitiger Blasensprung.

Klinisches Prozedere

Stationäre Aufnahme der Patientin, i. v.-Antibiose (Ampicillin), Induktion der Lungenreife mit 2 ×12 mg Celestan im Abstand von 24 h.

Verzicht auf eine Tokolyse, da die Patientin bei Aufnahme wehenfrei ist (auch wehenfrei bleibt). Serielle Bestimmung der Leukozyten und CRP-Laborparameter sowie Blutbild und Serologiekontrolle (Gestose-Labor).

Nach 24 h befindet sich die Patientin weiterhin in wehenfreiem Zustand, das Allgemeinempfinden bei der Patientin ist unauffällig.

Wegen der eingeschränkten Bettruhe erfolgt eine Thromboseprophylaxe mit niedermolekularem Heparin.

Nach 48 h findet sich eine Erhöhung der Leukozytenzahl auf 27 000 / µl (279 / l), der CRP-Wert ist 29 / l, es bestehen subfebrile Temperaturen (37,6 °C), die Mutter hat eine Herzfrequenz von 101 Schlägen / min, die kindliche Herzfrequenz ist 155 Schläge / min. Die Patientin ist noch wehenfrei.

Ultrasonografisch ist die Zervix für 3 cm erhalten.

Operationsindikation

Es erfolgt bei zervikaler Unreife unter dem Verdacht auf beginnendes Amnioninfektionssyndrom die elektive Sectio caesarea abdominalis. Das Kind wird in lebensfrischem und normaziden Zustand geboren (Apgar 9 / 9 / 10), pH-Wert arteriell Umbilikalarterie 7,31 und venös 7,40. Die Kontrolle des CRP-Wertes aus dem Nabelschnurblut ist unter der Nachweisgrenze < 5 / l.

Bei guter klinischer Adaptation ist im weiteren Verlauf das Kind unauffällig. Die Adaptation mittels Pulsoxymetrie-Überwachung zeigt Sauerstoffsättigungswerte im Normbereich.

Die Mutter zeigt einen unauffälligen postoperativen Verlauf. 

Literatur

Prof. Dr. med. S. Schmidt

Universitätsklinikum Gießen und Marburg

Baldingerstr. 1

35033 Marburg

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