Aktuel Ernahrungsmed 2010; 35(4): 200-206
DOI: 10.1055/s-0029-1223520
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Untersuchung über die Ernährung von Alters- und Pflegeheimbewohnern in Vorarlberg (Österreich)

Study on the Nutrition of Elderly Peoples in Nursing Homes in Vorarlberg (Austria)B.  Schreiber1 , J.  M.  Hackl1
  • 1Aus dem Institut für Pflegewissenschaften und Gerontologie (Departmentleiterin: Univ.-Prof. Dr. Christa Them) der Privaten Universität UMIT, Hall in Tirol
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Publication Date:
21 April 2010 (online)

Zusammenfassung

Fragestellung Das Leben in einer Betreuungseinrichtung stellt für viele alte Menschen ein einschneidendes Erlebnis dar. Durch den Verlust der Selbstständigkeit verstärken sich die alters- und krankheitsbedingte Appetitlosigkeit und Defizite bei der Nahrungsaufnahme, dies bedeutet eine große Herausforderung für alle Betreuer in geriatrischen Einrichtungen, einschließlich Ernährungsmediziner. Material und Methodik Festzustellen, wie auf individuelle Bedürfnisse beim Essen eingegangen und welche Einflussfaktoren für Mangelernährung berücksichtigt werden können. Mittels Fragebogen werden 45 Heim- und Pflegedienstleitungen der Vorarlberger Pflegeheime befragt. Ergebnisse In den Pflegeheimen wird das Schöpfsystem bevorzugt, sodass die Bewohner die Art und Menge der Speisen aussuchen können. Die Beurteilung des Ernährungsstatus erfolgt in den Einrichtungen anhand der Gewichtserfassung und durch Beobachtung der Senioren und deren Essverhalten (Essbiografie). Eine Erfassung durch Screening- oder Assessmentinstrumente wird nur vereinzelt durchgeführt. Die Pflegeheime betreuen auch Personen mit alterspezifischen Risiken für Mangelernährung (Demenz, Schluckbeschwerden usw.). Schlussfolgerung Die Mehrheit der Einrichtungen versucht, die Individualität der Senioren beim Essen zu berücksichtigen. Die Problematik der Mangelernährung ist den meisten Heimleitungen bekannt. Bei der Risikoerfassung und Ursachenklärung sollten vermehrt Evaluationssysteme eingesetzt werden.

Abstract

Purpose Moving into a care unit is a drastic experience to many elderly people. Losing intimacy and independence increases the lost of appetite due to age and sickness. Material and Methods Realizing the individual needs of nourishment and circumstances that should be considered to avoid malnutrition. By using questionnaire – 45 administrations of retirement homes in Vorarlberg are inquired. The information is evaluated by a triangulation. Results Results show that nursing homes prefer the scooping system. This way the occupants can choose the amount and kind of dishes. The favorite meals of the seniors are documented. The evaluation of the nutritional condition is recorded by observation of the seniors, weight control and watching their eating habits. Recording with screening or assessment tools is occasionally considered or practiced. Each of the 45 nursing homes also takes care of persons with dementia who show a high risk of malnutrition which means a high demand to the nursing staff. Conclusion The majority of facilities try to take the individuality of the seniors concerning nutrition into consideration. Most nursing homes administrations are fully aware of the problem of malnutrition. Registration of risk and settlement of cares by screening and assessment tools are necessary to clear up the way of practical handling and dealing with the situation.

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Univ.-Prof. Dr. J. Michael Hackl

Institut für Pflegewissenschaften und Gerontologie der Privatuniversität UMIT

Eduard Wallnöfer-Platz 1

6060 Hall / Tirol, Österreich

Email: johann.hackl@azw.ac.at