Aktuel Ernahrungsmed 2010; 35(4): 189-199
DOI: 10.1055/s-0029-1223519
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Inverse Beziehung zwischen Essensmenge und Energiedichte bei Adipösen

Inverse Relationship Between Food Quantity And Energy Density – An Analysis of Consumed Food Items in Obese PatientsV.  Schusdziarra1 , M.  Sassen1 , M.  Hausmann1 , J.  Erdmann1
  • 1Klinik für Ernährungsmedizin, Else Kröner Fresenius Zentrum für Ernährungsmedizin, Klinikum rechts der Isar, TU München
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Publication Date:
21 April 2010 (eFirst)

Zusammenfassung

Fragestellung Die Energiedichte der Lebensmittel ist wichtig für die Größe der täglichen Energieaufnahme. In einer großen amerikanischen Querschnittsuntersuchung bestand eine inverse Beziehung zwischen der Energiedichte und der Menge der verzehrten Lebensmittel, während eine große spanische Studie dies nicht bestätigen konnte. Deshalb haben wir in einer intraindividuellen Analyse der Essgewohnheiten 280 adipöser Patienten die Beziehung zwischen Energiedichte einerseits sowie Verzehrsmenge und Energiezufuhr andererseits untersucht. Außerdem wurden die für die gefundenen Veränderungen verantwortlichen Lebensmittel charakterisiert. Methodik Bei 280 adipösen Patienten wurden 10-tägige Ernährungsprotokolle ausgewertet und auf der Basis der täglichen Energiedichte (ED) intraindividuell in aufsteigender Reihenfolge sortiert. Ergebnisse Mit steigender Energiedichte nahm die tägliche Nahrungsmenge signifikant um durchschnittlich 370 g ab, während die Energieaufnahme trotzdem um 520 kcal anstieg. Betrachtet man den Verzehr der Lebensmittelgruppen mit niedriger (≤ 1,5 kcal / g), mittlerer (1,51–2,49 kcal / g) und hoher ED (≥ 2,5 kcal / g), findet sich eine Zunahme des Verzehrs von Lebensmitteln mit hoher und mittlerer ED, während niedrig energetische Lebensmittel deutlich reduziert werden. Wesentlich verantwortlich für diese inverse Beziehung sind Mittag- und Abendessen, in erster Linie bedingt durch die Reduktion von Fleisch, Fisch, Gemüse, Kohlenhydratbeilagen und Suppe, allesamt Bestandteile einer warmen Hauptmahlzeit. Im Gegenzug wird der Anstieg der Energiedichte und der Kalorienaufnahme hervorgerufen durch Brot, Käse, Wurstwaren, Fast Food und Kuchen. Bei den Zwischenmahlzeiten war die ansteigende Energiedichte zwar auch mit einem Rückgang der Essensmenge verbunden, jedoch blieb die Energieaufnahme weitestgehend konstant. Wesentlich verantwortlich für die Veränderungen sind Obst und Joghurt sowie Kuchen und Süßigkeiten. Beim Frühstück war die ansteigende Energiedichte nicht von einer Veränderung der Essensmenge begleitet, sodass die Energieaufnahme direkt proportional zur Energiedichte war. Schlussfolgerung Insgesamt zeigen diese Daten, dass niedrig energetische Lebensmittel in Form der warmen Hauptmahlzeit in größerer Menge verzehrt werden, als die Lebensmittelkombination der sog. Brotzeit. Durch diesen Wechsel des Mahlzeiten-Typs, wird trotz geringerer Verzehrsmenge die Energieaufnahme deutlich gesteigert, was durch die höhere ED der beteiligten Lebensmittelgruppen bedingt ist. Die Daten zeigen, dass die warme Hauptmahlzeit günstig für eine energieärmere Ernährungsweise ist. Bei den Brotzeiten müsste ein Ausgleich der höheren Kalorienaufnahme durch weitere Reduktion der Essensmenge erfolgen, was aber wegen mangelnder Sättigung unrealistisch ist. Bei einer Ernährungsumstellung, im Rahmen einer Gewichtsreduktion, empfiehlt sich die Reduktion der Energiedichte, um Sättigung und Kalorienreduktion möglichst einfach zu kombinieren.

Abstract

Background Food energy density is an important parameter for daily energy intake. In a large cross-sectional study from the U.S. an inverse relationship was found between energy density and the quantity of consumed food items. This, however, was not demonstrated in a large spanish survey. In an intraindividual analysis of food intake of 280 obese patients we have therefore examined the relationship between energy density (ED), food quantity and energy intake. Additionally, we demonstrate the contribution of various food groups to the observed changes. Methods Dietary protocols of 280 overweight and obese patients were analyzed and ranked intraindividually on the basis of the daily energy density. Results Daily food quantity decreased by 370 g with increasing energy density paralleled by a rise of energy intake by 520 kcal. Food groups with low (≤ 1,5 kcal / g) medium (1,51–2,49 kcal / g) and high (≥ 2,5 kcal / g) ED changed differentially. Medium and high ED food was consumed more while low ED food was responsible for the reduction of food quantity. This inverse relationship was primarily due to the respective changes at lunch and dinner. Food quantity decreased by reduction of meat, fish, vegetables, fruit, carbohydrate accompaniments and soup. These are all items of a typical main meal. Conversely the increase of energy density was due to bread, cheese, sausages, fastfood and cake. During snacks increasing energy density was also associated with reduced food quantity but energy intake remained constant. Mainly responsible for this shift were fruit, yoghurt, cake, chocolate and nuts, respectively. At breakfast the rise of energy intake was directly proportional to energy density while the meal quantity remained unchanged. Conclusion The inverse relationship between food quantity and energy density is not due to an intentional reduction of food items with high energy density but rather the result of a shift from one meal type to another. These data support the beneficial effects of main meals consisting of meat, fish, carbohydrates, vegetables and fruit in contrast to meals with food items such a bread, cheese, fastfood and cake. A compensation of high energy density would require a reduction of food quantity down to a level where satiety is no longer guaranteed. Therefore, a change of eating habits towards a bypocaloric diet requires a reduction of food energy density.

Literatur

Prof. Dr. Volker Schusdziarra

Else Kröner Fresenius Zentrum für Ernährungsmedizin, Klinikum rechts der Isar, TU München

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