Klinische Neurophysiologie 2010; 41(3): 218-219
DOI: 10.1055/s-0029-1223479
Das besondere Bild

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Meningoenzephalitis durch Streptococcus pneumoniae mit diffusen Läsionen der weißen und grauen Substanz

Streptococcus Pneumoniae Meningoencephalitis with Widespread White and Grey Matter LesionsJ.  Albers1 , T.  Niederstadt2 , E.  B.  Ringelstein1 , R.  Dziewas1 , R.  Dittrich1
  • 1Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsklinikum Münster
  • 2Klinik für Diagnostische Radiologie, Universitätsklinikum Münster
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Publication History

Publication Date:
13 September 2010 (online)

Hintergrund

Streptococcus pneumoniae („Pneumokokkus”) ist ein grampositives Bakterium, das morphologisch den Diplokokken zugeordnet wird. Insbesondere Immunsuppremierte oder Patienten nach Splenektomie sind durch eine Infektion gefährdet. Häufige durch S. pneumoniae ausgelöste Erkrankungen sind Sinusitis, Mastoiditis, Otitis media und Pneumonie. Darüber hinaus ist S. pneumoniae ein häufiger Erreger der eitrigen Meningitis mit begleitender Enzephalitis („Meningoenzephalitis”). Pneumokokkeninfektionen ausschließlich des Gehirns sind demgegenüber selten [1]. Die typischen klinischen Symptome der Pneumokokkenmeningitis sind Fieber (> 39°), Kopfschmerzen, starkes Krankheitsgefühl, Meningismus, Opisthotonus und Vigilanzminderung. Foudroyante Verläufe können innerhalb von 24 h durch ein generalisiertes Hirnödem zum Tode führen. Zur Diagnostik ist der initiale Liquorbefund entscheidend. Allerdings gelingt nur bei 50 % der Patienten mit eitriger Meningitis der direkte und bei 60–70 % der kulturelle Erregernachweis [1]. Daher sollte sehr früh eine CT-Diagnostik zur Beurteilung der Kiefer- und Stirnhöhlen sowie der Siebbein- und Mastoidzellen erfolgen. Im CT sind zudem Komplikationen der eitrigen Meningitis wie Hydrozephalus, Abszess und Empyem sofort erkennbar. Eine MRT-Diagnostik galt bisher in der Akutphase als nicht erforderlich, und, falls dennoch durchgeführt, zeigte sie meist ein unspezifisches KM-Enhancement der Haubenmeningen in der T1-Wichtung. Im MRT und der MR-Angiografie lassen sich jedoch besonders frühzeitig zerebrale Parenchym- und Gefäßläsionen nachweisen, wie hier verdeutlich werden soll.

Literatur

Dr. med. Ralf Dittrich

Klinik und Poliklinik für Neurologie (Direktor: Univ.-Prof. Dr. E. B. Ringelstein), Universitätsklinikum Münster

Albert-Schweitzer-Straße 33

48149 Münster

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