Gastroenterologie up2date 2009; 5(4): 251-253
DOI: 10.1055/s-0029-1215419
Klinisch-pathologische Konferenz

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

NSAR-induzierte Ileopathie

Chirurgische Indikation zur invasiv diagnostischen Laparotomie bei massivem intestinalem BlutverlustJörg  M.  Schmitz, Marcus  Overhaus, Hui  Zhou
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
09. Dezember 2009 (online)

Einleitung

NSAR

Die Nebenwirkungen von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) auf den oberen Gastrointestinaltrakt sind bekannt und in den letzten Jahren ausführlich wissenschaftlich untersucht worden. Nichtsteroidale Antirheumatika, zu denen neben Diclofenac, Ibuprofen und Indometacin auch Salizylsäurepräparate gehören, haben neben den therapeutisch nutzbaren antiphlogistischen und antipyretischen Eigenschaften auch eine thrombozytenaggregationshemmende Wirkung. Durch die Hemmung von Prostaglandin E2 führt diese Medikamentengruppe jedoch auch zur unerwünschten Nebenwirkung gastrointestinaler Schleimhautschädigungen bis hin zur Ulzeration. Diese Nebenwirkungen treten in der großen Mehrzahl erst nach länger andauernder Einnahme von NSAR auf [1].

Gastrointestinale Blutungen

Insbesondere Komplikationen wie Gefäßarrosionen mit zum Teil schweren Blutungen in das Magen- oder Duodenallumen sind gefürchtet und bedürfen je nach Umfang einer sofortigen klinischen Intervention. Hingegen sind Blutverluste durch NSAR-induzierte Läsionen des Dünn- oder Dickdarms seltener [2] und stehen klinisch als Blutungsursache nicht an erster Stelle. Die Suche nach der Blutungsquelle im Falle einer NSAR-induzierten Läsion des Dickdarms gestaltet sich weniger problematisch. Ist jedoch primär der Dünndarm betroffen, ist das Methodenspektrum zur Ursachensuche eingeschränkter: Erst seit 9 Jahren existiert das Verfahren der Kapselendoskopie, die Push-and-Pull-Endoskopie erreicht mitunter nicht den gesamten Dünndarm [3]. So ist es wenig verwunderlich, dass schwere NSAR-induzierte intestinale Komplikationen im Dünndarm erst nach größerem Untersuchungsaufwand gefunden werden.

Literatur

  • 1 Halter F, Gut A, Ruchti C. Intestinal pathology from NSAIDs.  Inflammopharmacology. 1996;  4 43-60
  • 2 Sturges H FLKC. Ulcerations and strictures of the jejunum in a patient of long term indomethacin therapy.  Am J Gastroenterol. 1973;  59 162-169
  • 3 Ell C, May A. Mid-gastrointestinal bleeding: capsule endoscopy and push-and-pull enteroscopy give rise to a new medical term.  Endoscopy. 2006;  38 73-75
  • 4 Klee M, Vogel C U, Diehl H G. et al . Das Diaphragma-Kolon – Eine schwerwiegende Nebenwirkung nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR).  Leber Magen Darm. 1998;  28 137-141
  • 5 Davies N M. Toxicity of nonsteroidal anti-inflammatory drugs in the large intestine.  Dis Colon Rectum. 1995;  38 1311-1321
  • 6 Pihan G RC, Szabo S. Vascular injury in acute mucosal damage. Medicatory role of leucotrienes.  Dig Dis Sci. 1988;  33 625-632
  • 7 Chiba T. et al . Upper gastrointestinal disorders induced by non-steroidal anti-inflammatory drugs.  Inflammopharmacology. 2008;  16 16-20
  • 8 Higuchi K. et al . Present status and strategy of NSAIDs-induced small bowel injury.  J Gastroenterol. 2009;  44 879-888

Dr. Jörg M. Schmitz

Institut für Pathologie
Universität Bonn

Sigmund-Freud-Straße 25
53127 Bonn

eMail: joerg.schmitz@ukb.uni-bonn.de

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