Pädiatrie up2date 2009; 4(4): 351-370
DOI: 10.1055/s-0029-1215281
Rheumatologie

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Chronisch entzündliche Gelenkerkrankungen – Allgemeine Aspekte

F.  Weller, H.-I.  Huppertz
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Publication Date:
10 December 2009 (online)

Einleitung

Erkrankungen des kindlichen Bewegungsapparats sind häufig und können schwerwiegende Folgen haben. Insbesondere die chronisch entzündlichen Gelenkerkrankungen können, wenn zu spät erkannt oder zu spät behandelt, erhebliche Morbidität und vorzeitig degenerative Veränderungen mit Konsequenzen für Lebensqualität, Berufs- und Partnerwahl und/oder Frühinvalidität nach sich ziehen. Der weit verbreitete Irrtum, dass rheumatische Erkrankungen mit höherem Lebensalter assoziiert seien, kann die Diagnose verzögern. Die primären Gelenkerkrankungen werden unter dem Begriff „juvenile idiopathische Arthritis” zusammengefasst.

Merke: Diagnosekriterien der juvenilen idiopathischen Arthritis:
– Vorliegen einer chronischen Arthritis (Dauer ≥ 6 Wochen)
– Ausschluss anderer Erkrankungen, die mit einer Arthritis einhergehen
– Erkrankungsbeginn vor Vollendung des 16. Lebensjahrs

Insgesamt 7 Subtypen des kindlichen Rheumas werden gemäß der aktuell gültigen International League of Associations for Rheumatology (ILAR) unterschieden (Abb. [1]). Die Subtypen im Speziellen sind Thema eines Folgebeitrags in Pädiatrie up2date 1/2010.

Abb. 1 Anteile der Subtypen der juvenilen idiopathischen Arthritis (Daten aus der Kerndokumentation 2004). Der Subtyp „Oligoarthritis” wird je nach Verlauf in 2 Untergruppen unterteilt (persistierend und extended). „Andere Arthritis” bedeutet, dass keine oder mehr als eine der Definitionen zutrifft.

Die initiale Symptomatik kann recht unterschiedlich sein und beschränkt sich nicht nur auf die Gelenke. Neben einer sorgfältig erhobenen Anamnese ist vor allem der klinische Untersuchungsbefund für die Diagnosestellung wegweisend. Spezifische Laborbefunde fehlen.

Das differenzialdiagnostische Spektrum ist umfangreich (Tab. [1]); die meisten Erkrankungen weisen dabei eine typische Altersdisposition auf (Abb. [2]). Initial wichtig ist das rasche Erkennen einer septischen Arthritis als medizinischen Notfall. Auch eine maligne Erkrankung sollte vor allem bei sowohl tagsüber als auch nachts auftretenden Schmerzen frühzeitig bedacht werden.

Tabelle 1 Differenzialdiagnosen der juvenilen idiopathischen Arthritis (Auswahl). sehr häufige Ursachen häufige Ursachen seltene Ursachen Traumasog. Wachstumsschmerzenakute, transiente Arthritis (z. B. Coxitis fugax) Myositischronische, nicht bakterielle OsteomyelitisPurpura Schönlein-Henochinfektassoziierte Arthritiden (reaktive, Lyme-, virale Arthritis)generalisierte Schmerzverstärkungssyndrome, dissoziative StörungHypermobilitätaseptische Knochennekrose, Überlastungssyndrome Osteomyelitis, septische ArthritisLeukämieNeuroblastomMorbus Fabry, Morbus Gaucher, Morbus ScheieSichelzellanämieOsteo-, Ewing-SarkomHistiozytose, Osteoblastom, OsteoidosteomOsteopoikiloseRachitis, Hypophosphatasie, HyperparathyreoidismusGuillain-Barré-Syndromkomplex-regionales SchmerzsyndromSarkoidoseArthritis bei Immundefekt

Abb. 2 Altersprädisposition der wesentlichen Gelenkserkrankungen (blau: häufig, orange: weniger häufig; JIA = juvenile idiopathische Arthritis, CRMO = chronisch rekurrierende multifokale Osteomyelitis).

Literatur

Frank Weller

Prof.-Hess-Kinderklinik Klinikum Bremen-Mitte

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