Gastroenterologie up2date 2009; 5(3): 209-225
DOI: 10.1055/s-0029-1215014
Leber/Galle/Pankreas

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Aktuelle Diagnostik und Therapie der Hepatitis B

Frank  Tacke, Holger  H.  Lutz, Christian  Trautwein
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Publication Date:
28 September 2009 (online)

Kernaussagen

Natürlicher Verlauf der chronischen Hepatitis B

  • Die chronische Hepatitis-B-Virusinfektion ist definiert als Viruspersistenz mit begleitender Leberzellschädigung über einen Zeitraum von länger als 6 Monaten.

  • Der natürliche Verlauf kann schematisch in eine immuntolerante, immunaktive und niedrig- bzw. nicht replikative Phase eingeteilt werden. Klinisch bedeutsam ist, ob eine chronische HBeAg-positive oder HBeAg-negative Hepatitis B vorliegt.

Therapie der chronischen Hepatitis B

  • Die Therapie der chronischen Hepatitis B konnte in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert werden.

  • Aufgrund des Risikos der Entwicklung einer Leberzirrhose oder eines hepatozellulären Karzinoms müssen Patienten bereits bei mittlerer HBV-Viruslast (≥ 104 Kopien/ml, ca. 2000 IU/ml) und nachweisbarer Leberschädigung therapiert werden.

  • Darüber hinaus besteht bei allen HBV-infizierten Patienten mit fortgeschrittener Fibrose oder Zirrhose bereits eine Behandlungsindikation bei einfachem HBV-DNA-Nachweis.

  • Bei Vorliegen positiver Prognosefaktoren und Fehlen von Kontraindikationen sollte eine Therapie mit pegyliertem Interferon durchgeführt werden. Alternativ können, insbesondere auch bei fortgeschrittener Leberzirrhose, orale Nukleos(t)idanaloga eingesetzt werden.

  • Unter Lamivudin, Adefovir und Telbivudin besteht ein erhöhtes Risiko zur Selektion resistenter Virusstämme. Adefovir spielt in der Erstlinientherapie der chronischen Hepatitis B keine Rolle mehr. Lamivudin und Telbivudin sollten aufgrund des ungünstigeren Resistenzprofils nur bei ausgewählten Patientenkollektiven ohne fortgeschrittene Fibrose eingesetzt werden.

  • Entecavir und Tenofovir sind die Nukleos(t)idanaloga der 1. Wahl in der Therapie der chronischen Hepatitis B, falls keine Therapie mit Interferon möglich ist.

  • Zum aktuellen Zeitpunkt sollten Kombinationstherapien bei der chronischen Hepatitis B aus Interferon und einem Nukleos(t)idanalogon nur im Rahmen von Studien durchgeführt werden.

  • Im Falle einer Resistenzentwicklung sollte frühzeitig ein nicht kreuzresistentes Medikament als Add-on- oder evtl. Switch-Therapie eingesetzt werden.

Literatur

Prof. Dr. med. Christian Trautwein

III. Medizinische Klinik

Pauwelsstraße 30
52074 Aachen

Email: ctrautwein@ukaachen.de