Pädiatrie up2date 2009; 4(3): 275-291
DOI: 10.1055/s-0029-1214885
Infektionskrankheiten

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

A-Streptokokken-Folgeerkrankungen

Rolf  Keitzer
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Publication Date:
03 September 2009 (online)

Einleitung

Streptokokken-Erkrankungen zählen zu den häufigsten bakteriellen Infektionen im Kindes- und Jugendalter. Sie sind in der Lage, eine Palette von Infektionen und eine Vielzahl unterschiedlicher Folgekrankheiten auszulösen und viele Assoziationen gelten als gesichert (Tab. [1]). Andere Varianten werden wissenschaftlich noch immer kontrovers diskutiert, können aber trotzdem klinische Relevanz besitzen [1].

Merke: Poststreptokokken-Erkrankungen werden als immunologische Reaktionen infolge von Streptokokken-Infektionen definiert. Sie gelten als klassisches Beispiel für Autoaggression auf der Basis von „Molecular Mimicry” – des Abschirmens bakterieller, viraler oder parasitärer Oberflächenmoleküle vor dem Immunsystem des Organismus.

Molecular Mimicry

Das aktuelle Modell für Autoimmun-Reaktionen postuliert, dass kreuzreagierende Antikörper gegen Streptokokken-Antigene, die während der Reifung die Selektion auf Selbstkompatibilität überstehen, sich an körpereigene Mimikry-Moleküle binden und auf diese Weise zur Autoreaktivität führen. Dieses Modell ist noch immer nicht im Detail bewiesen, wird aber auch bei zahlreichen anderen Autoimmun-Erkrankungen angenommen.

Tabelle 1 Streptokokken-Folgeerkrankungen und Zeitintervalle zur Infektion. Erkrankung Mittleres Zeitintervall (Wochen) Erythema nodosum1, Purpura Schönlein-HenochPoststreptokokken-GlomerulonephritisAkutes Rheumatisches Fieber ohne ChoreaChorea minorPoststreptokokkenreaktive Arthritis (PSRA)PANDAS2 – ErsterkrankungPANDAS2 – Rezidiv, SchubSklerödem (Buschke)Polyarteriitis nodosa? Bilaterale Uveitis?Streptokokkenassoziierte akute disseminierte Enzephalomyelitis (ADEM) 1,51,52,58 – 301 – 1,525 – 30?1 – 2?1 – 6???? 1 In Westeuropa gelten Streptokokken A als häufigster Auslöser. 2 Pediatric Autoimmune Neuropsychiatric Disorders Associated with Streptococcal Infections.

Eine wesentliche Rolle beim Auslösen immunologischer Folgeerkrankungen spielen Dispositionsfaktoren des betroffenen Organismus [2] [3]. Daneben scheint besonders der heterogenen Ausstattung der Streptokokken mit Kapselproteinen, den sogenannten M-Proteinen, und Virulenzfaktoren eine Bedeutung zuzukommen. Diese Eigenschaften können unter den Streptokokken der verschiedenen Gruppen ausgetauscht werden (Abb. [1]). Diese Interaktion zwischen Wirtsdisposition und Erregereigenschaften der sog. rheumatogenen Streptokokken hatte in der Ära vor Einführung der Antibiotika bei den US-Soldaten im 2. Weltkrieg zur Folge, dass „nur” ca. 3 % der Soldaten nach Scharlach an Akutem Rheumatischen Fieber erkrankten. In Deutschland gibt es aktuell keine verlässlichen Daten über die Häufigkeit, es werden aber in Ballungsgebieten immer wieder Fallserien berichtet.

Abb. 1 Rheumatisches Fieber: Pathogenese-Modell der Organmanifestationen [2] [3].

Literatur

Dr. Rolf Keitzer

Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie
Campus Virchow Klinikum
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