Pädiatrie up2date 2009; 4(2): 123-140
DOI: 10.1055/s-0029-1214652
Intensivmedizin/Neonatologie

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Erstversorgung Neugeborener

Sina  Pilgrim, Martin  Stocker, Thomas  M.  Berger
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Publication Date:
22 June 2009 (online)

Einleitung

Eine erfolgreiche postnatale Adaptation des Neugeborenen ist gekennzeichnet durch eine bemerkenswerte Abfolge koordinierter Ereignisse. Im Vordergrund stehen dabei die Resorption der fetalen Lungenflüssigkeit, das Einsetzen einer regelmäßigen Atmung und die Belüftung der Lunge sowie das Umstellen vom parallelen fetalen zum seriellen postnatalen Kreislauf. Um ein Neugeborenes während der Adaptationsphase optimal betreuen zu können, sind Kenntnisse dieser physiologischen Vorgänge, entsprechend ausgebildetes Personal sowie ein Minimum an technischer Ausrüstung notwendig (Tab. [1]).

Tabelle 1  Ausrüstung eines Neugeborenen-Reanimationsplatzes. Allgemeines warme Tücher auf vorgewärmter EinheitSättigungsmonitor1 SäuglingsstethoskopMagensonden Charrière 4, 6 und 8Absaugvorrichtung (Sog – 200 mbar, Katheter Charrière 10, Mund-Absaugkatheter) Atemunterstützung Sauerstoff und Druckluft 2, Sauerstoff-Mischgerät (FiO2 0,4; Flow 5 l/min)Beatmungsbeutel (Self-inflating Bag mit PEEP-Ventil [PEEP auf 5 cm H2O] und Reservoir)Beatmungsmasken Größen 00 und 01 Laryngoskop mit Spateln Größe 0 und 1Endotrachealtuben 2.0 – 4.0 und Führungsdraht, Magill-Zange, HeftpflasterMekonium-Absaug-Tubus (Mekoniumadapter) intravenöser Zugang, Medikamente Nabelvenenkatheterset (Katheter Charrière 5, steriler Faden 3.0, Skalpell)periphere Venenverweilkanüle (Venflon 24G, 26G), Verlängerung mit Drei-Wege-Hahn, Fixationsmaterial inklusive LagerungsschieneSpritzen à 10 ml, 5 ml, 2 ml und 1 ml (Mantoux)Adrenalin 1 : 1000 (Ampulle à 1 mg/ml), NaCl 0,9 %, Glukose 10 % 1 Die transkutane arterielle Sauerstoffsättigung zur Überwachung der Sauerstofftherapie muss immer präduktal an der rechten Hand gemessen werden, die angestrebte Sättigung unter Therapie soll zwischen 88 – 95 % betragen. 2 Idealerweise sollten an jeder Reanimationseinheit Sauerstoff- und Druckluftanschlüsse sowie ein Sauerstoff-Mischgerät vorhanden sein. Wo dies nicht vorhanden ist und eine alleinige Sauerstoffquelle (FiO2 1,0) vorliegt, kann eine Reduktion der Sauerstoffkonzentration durch Entfernen des Reservoirschlauches eines Self-Inflating-Bags erreicht werden. Bei einem Gasfluss von 4 – 5 l/min beträgt die FiO2 dann in der Maske 0,4.FiO2 = Fraction of Inspired Oxygen; PEEP = Positive End Expiratory Pressure

Bei jeder Geburt können potenziell schwerwiegende Komplikationen auftreten, die nicht immer vorhergesehen werden können.

Merke: Bei jeder Geburt sollte mindestens eine Person anwesend sein, die mit neonatalen Reanimationsmaßnahmen vertraut ist.

Ebenfalls muss ein gut ausgerüsteter und funktionstüchtiger Reanimationsplatz zur Verfügung stehen, damit bei Bedarf in kürzester Zeit das notwendige Material zur Verfügung steht. Es gibt Situationen, in denen mit einem erhöhten Risiko für eine gestörte Adaptation gerechnet werden muss (Abb. [1]). Je nach Situation muss der Geburtshelfer entscheiden, ob die vorhandenen Ressourcen ausreichen oder ein Pädiater zur Geburt hinzugezogen werden muss. Gegebenenfalls ist auch zu erwägen, ob die Risikoschwangere vor der Geburt in ein perinatologisches Zentrum verlegt werden soll, da die sicherste Transportart für das Kind der pränatale Transport in utero ist.

Abb. 1 Risikosituationen für eine gestörte Adaptation.

Während in der Erstversorgung der meisten Neugeborenen einfache Basismaßnahmen genügen, benötigen ca. 10 % aller Neugeborenen während den ersten Lebensminuten zusätzliche Unterstützung. Weiterführende Reanimationsmaßnahmen sind nur in ca. 1 % notwendig. Meist ist in diesen Fällen eine vorübergehende Maskenbeatmung ausreichend. Sekundäre Reanimationsmaßnahmen wie Intubation, Herzmassage und medikamentöse Reanimation kommen noch seltener zum Einsatz [1].

Literatur

PD Dr. Thomas M. Berger
Dr. med. Sina Pilgrim
Dr. med. Martin Stocker

Neonatologische und Päditrische Intensivstation
Kinderspital Luzern

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