Gastroenterologie up2date 2009; 5(1): 55-66
DOI: 10.1055/s-0028-1119660
Leber/Galle/Pankreas

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Chirurgische Therapie des Pankreaskarzinoms

Martin  Loos, Jörg  Kleeff, Helmut  Friess
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Publication Date:
19 March 2009 (online)

Kernaussagen

Epidemiologie

  • Das Pankreaskarzinom steht in Deutschland an vierter Stelle der krebsbedingten Todesfälle. Die 5-Jahres-Gesamtüberlebensrate liegt weiterhin bei unter 5 %, wobei nach kompletter chirurgischer Resektion in Verbindung mit einer adjuvanten Chemotherapie 5-Jahres-Überlebensraten von 15 – 25 % erreicht werden können.

Diagnostik

  • Bei Verdacht auf ein Pankreaskarzinom sollte zu einem frühen Zeitpunkt eine diagnostische Abklärung mittels MD-CT oder MRT mit MRCP durchgeführt werden, da die frühe Diagnosestellung für die Prognose die größte Bedeutung hat.

Therapie

  • Die chirurgische Therapie beim Pankreaskarzinom hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und kann in spezialisierten Zentren mit geringer Morbidität und Mortalität durchgeführt werden. Anhand der Daten zahlreicher randomisierter, kontrollierter Studien konnten wichtige Fragen bezüglich des chirurgischen Resektionsverfahrens und Resektionsausmaßes beantwortet werden.

  • Die klassische und die pyloruserhaltende partielle Pankreatikoduodenektomie sind die Standardoperationen für Karzinome im Pankreaskopfbereich. Entscheidende Unterschiede hinsichtlich der onkologischen Radikalität oder perioperativen Morbidität/Mortalität bestehen zwischen beiden Resektionsverfahren nicht.

  • Unter den erweiterten Resektionsverfahren erscheinen der derzeitigen Datenlage nach nur venöse Gefäß- und multiviszerale Resektionen sinnvoll, sofern makroskopisch eine komplette Tumorentfernung erreicht werden kann. Im Gegensatz hierzu bringt eine erweiterte Lymphadenektomie oder Resektion großer Viszeralarterien keinen Überlebensvorteil bei potenziell erhöhter Morbidität.

  • Zur Standardtherapie nach chirurgischer Resektion gehört die adjuvante Chemotherapie mit Gemcitabin (oder 5-FU), durch die ein signifikanter Überlebensvorteil erzielt werden kann. Im Gegensatz hierzu können weder neoadjuvante Therapieprotokolle noch eine adjuvante Radiochemotherapie auf Grundlage der derzeit vorliegenden Studien empfohlen werden.

Literatur

Priv.-Doz. Dr. med. Jörg Kleeff

Klinikum rechts der Isar
Technische Universität München

Ismaninger Straße 22
81675 München

Email: kleeff@chir.med.tu-muenchen.de