Dtsch Med Wochenschr 1954; 79(10): 390-393
DOI: 10.1055/s-0028-1115441
Klinik und Forschung

© Georg Thieme Verlag, Stuttgart

Schwierigkeiten der Phäochromozytomdiagnostik

Grenzen und Möglichkeiten des RegitintestsH. Sack, Joh. F. Koll
  • Inneren Klinik der Städt. Krankenanstalten Krefeld (Chefarzt: Professor Dr. med. H. Sack)
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
03. Mai 2009 (online)

Zusammenfassung

Die Diagnose des mit typischen Blutdruckkrisen einhergehenden Phäochromozytoms ist, sofern man nur an die Möglichkeit denkt, leicht. Um so schwerer ist die Diagnose in den zahlreichen Fällen, in denen die Krankheit mit einem permanenten Hochdruck einhergeht, der sich im Erscheinungsbild nicht von einer essentiellen oder renalen Hypertonie unterscheidet.

Hier basiert die Diagnose zur Zeit noch im wesentlichen auf dem Ausfall pharmakologischer Testmethoden mittels sympathikolytischer Substanzen, von denen sich neben dem Dibenamin und Benzodioxan vor allem das Regitin durchsetzte.

Man sollte es sich zur Regel machen, jeden Patienten mit einem Hochdruckleiden auf das Vorhandensein eines chromaffinen Tumors zu untersuchen, da im positiven Fall durch die operative Entfernung der Geschwulst eine ideale kausale Therapie möglich ist.

Eigene Untersuchungen mit Regitin haben ergeben, daß in einem recht hohen Prozentsatz der Fälle (fast 15—20%) mit einem fälschlich positiven Ausfall des Regitintests gerechnet werden muß. Die Kenntnis der pharmakologischen Besonderheiten läßt erkennen, daß von einer Spezifität der Testsubstanzen in bezug auf das Vorliegen adrenalin- oder arterenolproduzierender Tumoren nicht die Rede sein kann.

Es wird aufgezeigt, daß durch die Beeinflussung kardialer Mechanismen sowie beim Vorhandensein gewisser Ausnahmezustände des Organismus (Apoplexie, Urämie, Angina pectoris) fälschlich positive Ergebnisse auftreten können; dabei wurden in zwei desolaten Fällen schwere Kollapserscheinungen beobachtet.

Hierdurch wird jedoch unseres Erachtens der grundsätzliche Wert des Regitins in der Diagnostik des Phäochromozytoms nicht eingeschränkt, handelt es sich doch um eine Substanz, deren Verträglichkeit der der anderen Mittel überlegen ist. Gleichzeitig ist die Durchführung des Tests einfach und von einem einzelnen Untersucher zu bewerkstelligen.

Unter den zugänglichen Substanzen kann das Regitin als das am besten geeignete Mittel zur Durchführung sogenannter Suchtests bezeichnet werden, mittels derer aus der großen Menge der Hypertoniker alle verdächtigen Fälle erfaßt werden können.

Die Kenntnis der Fehlerquellen, die zu fälschlich positiven und fälschlich negativen Ergebnissen führen können, soll dem Untersucher Sicherheit geben und ihn veranlassen, gegebenenfalls andere Untersuchungsmethoden anzuschließen. Einzelheiten über derartige Maßnahmen, wie Benzodioxan-, Dibenamin-, Histamin-, Mecholyltest, Katecholbestimmung, urologische und röntgenologische Hilfsmittel, sind bereits an anderer Stelle im Zusammenhang besprochen worden.