Gesundheitsökonomie & Qualitätsmanagement 2010; 15(1): 33-38
DOI: 10.1055/s-0028-1109648
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Adipositas und Erfolg am Arbeitsmarkt

Obesity and Occupational PositionsL. Sundmacher1 , S. Morris2
  • 1Fachgebiet Management im Gesundheitswesen, Fakultät VII, Technische Universität Berlin
  • 2Health Care Evaluation Group, Department of Epidemiology and Public Health, University College London
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
16. Februar 2010 (online)

Zusammenfassung

Zielsetzung: Vorhergehende Studien haben gezeigt, dass adipöse Arbeitnehmer, insbesondere adipöse Frauen im Durchschnitt niedrigere Löhne erhalten als nicht-adipöse Arbeitnehmer. Ziel dieses Beitrags ist es, den Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit, Lohn und beruflicher Stellung zu analysieren. Methodik: Wir untersuchen den Zusammenhang zwischen Löhnen in Berufen und BMI mithilfe eines linearen Regressionsmodells. Anschließend verwenden wir Multinomiale Logit Regressionen und Ordered Probit Regressionen, um den Einfluss von Fettleibigkeit auf die berufliche Stellung von Individuen zu messen. Die Daten für die Analyse stammen von der „2003 Health Survey for England” (HSE) und der „Annual Survey of Hours and Earnings”. Um eine mögliche Endogenität von BMI zu überprüfen, schätzen wir alle Modelle auch mit Instrumentenvariablen. Ergebnisse: Die Analyse zeigt, dass adipöse Frauen ceteris paribus in Berufen mit geringeren Durchschnittslöhnen tätig sind. Darüber hinaus reduziert Fettleibigkeit bei Frauen die Wahrscheinlichkeit einen Beruf mit hohen Anforderungen auszuüben. Adipöse Männer sind hingegen nicht durch ihr Gewicht benachteiligt: Sie arbeiten sowohl in Berufen mit höheren und niedrigeren Durchschnittsgehältern und Anforderungen im Vergleich zu ihren normalgewichtigen Peers. Schlussfolgerung: Unsere Studie legt nahe, dass der Faktor Adipositas die berufliche Stellung von Frauen und somit auch die Höhe ihres Lohns beeinträchtigt.

Abstract

Aim: Evidence suggests that obese workers, and in particular obese females, on average earn lower wages than non-obese workers. The aim of this study is to examine the relationship between obesity, earnings and occupation selection. Methods: We investigated directly the relationship between mean occupational earnings and obesity measures by regressing the former against the latter plus a range of individual and area covariates. We also used multinomial logistic regression and ordered probit regression to model the impact of obesity on occupation selection. The data for the analyses were taken from the 2003 Health Survey for England (HSE) and the Annual Survey of Hours and Earnings. Potential endogeneity of BMI was investigated using instrumental variables. Results: For the mean occupation wage regression, we find that obesity has a negative and significant effect on occupational wages in females. For the occupation selection model, we find that obese men have an increased likelihood of working in higher paid occupations and lower paid occupations, while obese women have an increased likelihood of working in lower paid occupations only. In addition, obese women are significantly more likely to work in occupations which require a low skill. Conclusion: Our paper suggests that obese female workers attain lower occupational positions than their non-obese peers.

Literatur

1 Für die Europäische Union lagen uns nur OECD-Daten zu Größe und Gewicht für Frankreich, Italien, Finnland, Spanien, Niederlande, Österreich und Großbritannien vor.

2 Roehling [3] zeigte, dass übergewichtigen Angestellten zahlreiche negative Stereotype zugeschrieben werden (Faulheit, Schlamperei, Mangel an Kompetenz und Selbstdisziplin).

3 Diese Bedingung nennt man „Independence of Irrelevant Alternatives” (IIA) Bedingung. Da keine verlässlichen Tests für die IIA-Bedingung existieren, empfiehlt McFadden [18] multinomiale Modelle nur in Situationen zu nutzen, in denen der Entscheidungsträger die Outcome-Kategorien unabhängig voneinander bewerten kann.

Leonie Sundmacher

Technische Universität Berlin, Fakultät VII Wirtschaft und Management

Straße des 17. Juni 135

10623 Berlin

eMail: leonie.sundmacher@tu-berlin.de

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