psychoneuro 2008; 34(9): 410-415
DOI: 10.1055/s-0028-1099271
Schwerpunkt

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Das „Münchner Modell” – Krankenkassen finanzieren Compliance–Programme

The „Munich Model” – How compliance programs can be financedWerner Kissling1
  • 1Centrum für Disease Management, Psychiatrische Klinik der Technischen Universität München(Direktor der Klinik: Prof. Dr. med. H. Förstl)
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
17. Oktober 2008 (online)

Obwohl für die häufigsten neuropsychiatrischen Erkrankungen eine hochwirksame rezidivprophylaktische Langzeitbehandlung zur Verfügung steht, wird diese von weniger als der Hälfte der betroffenen Patienten auch durchgeführt. Diese hohe Noncompliance–Rate ist für mehr als die Hälfte aller stationären Wiederaufnahmen und die damit verbundenen hohen Behandlungskosten und letztlich auch für eine Verschlechterung des Krankheitsverlaufs verantwortlich. Complianceverbessernde Maßnahmen, wie z.B. Psychoedukation, stehen zur Lösung des Problems zur Verfügung, werden aber in der Regelversorgung kaum angeboten, da sie nicht kostendeckend honoriert werden. Am Beispiel eines seit 3 Jahren implementierten Compliance–Programms für schizophren und depressiv kranke Menschen („Münchner Modell”) wird erläutert, wie man complianceverbessernde Maßnahmen in der Neurologie und Psychiatrie mit den Krankenkassen vertraglich vereinbaren und angemessen finanzieren kann. Eine Zwischenauswertung mit 310 Patienten hat gezeigt, dass durch das Münchner Compliance–Programm mehr als 70 % der Krankenhaustage und mehr als 50 % der Kosten eingespart werden können und gleichzeitig die Behandlungsqualität und die Patientenzufriedenheit steigen. Über einen bundesweiten Rahmenvertrag zur Integrierten Versorgung kann das „Münchner Modell” jetzt auch in anderen Regionen und eventuell auch für weitere neuropsychiatrische Indikationen ausgerollt werden.

Although effective long–term treatments are available for many of the relevant neuro–psychiatric diseases, more than half of the patients do not perform these treatments. This high noncompliance rate is responsible for more than 50 % of readmissions, for high costs and a deterioration of the course of the illness. Effective compliance improving measures (e.g. psychoeducation) are principally available but can't be offered to these patients because of a lack of reimbursement. The so called ”Munich Model" – a compliance program for patients with schizophrenia or depression – is described in detail as an example how compliance programs can be financed. An interim analysis of the results of the Munich compliance program shows that more than 70 % of hospital days and more than 50 % of total costs can be saved with such a program. At the same time quality of treatment and patient satisfaction increases. Roll Out of the ”Munich Model" in other regions and extension to other neuro–psychiatric diagnoses is planned.

Literatur

  • 1 Asani F, Eißmann I.. Medikamententraining Psych Pflege. 2006;  12 205-207
  • 2 Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, Hrsg.  Rahmenkonzept Integrierte Versorgung Depression Nervenarzt. 2005;  76 104-121
  • 3 Gorenoi V, Schönermark MP, Hagen A.. Maßnahmen zur Verbesserung der Compliance bzw. Adherence in der Arzneimitteltherapie mit Hinblick auf den Therapieerfolg. DAHTA–Datenbank des DIMDI 2007: (www.dimdi.de) 2007
  • 4 Hamann J, Langer B, Winkler V. et al. . Shared decision making for in–patients with schizophrenia.  Acta Psychiatr Scand. 2006;  114 265-273
  • 5 Kissling W, Seemann U, Fritze P.. Integrierte Versorgung.  Neurotransmitter. 2004;  10 28-35
  • 6 Kissling W.. Integrierte Versorgung in der Psychiatrie Neurotransmitter. 2006: 26-31
  • 7 Kissling W, Vogel C.. Erfahrungen mit dem „Münchner Modell” – Integrierte Versorgung – eine Zwischenbilanz.  Neurotransmitter Sonderheft. 2;  2007 211-219

1 www.dgppn.de/de_integrierte-versorgung_25.html

Korrespondenz

Dr. Werner Kissling

Centrum für Disease Management Psychiatrische Klinik der Technischen Universität München

Möhlstraße 26

81675 München

eMail: W.Kissling@lrz.tu-muenchen.de

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