Frauenheilkunde up2date 2009; 3(2): 119-139
DOI: 10.1055/s-0028-1098886
Geburtshilfe und Perinatalmedizin

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart ˙ New York

Pathologie der Embryonal- und Fetalentwicklung und Arzneimitteltoxizität

W. E. Paulus, G. C. Meyberg-Solomayer
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Publication Date:
16 April 2009 (online)

Kernaussagen

Nach statistischen Erhebungen nehmen 15–50 % aller Schwangeren Medikamente im 1. Schwangerschaftsdrittel ein – oft noch in Unkenntnis der Schwangerschaft. Dies kann angesichts der sensiblen Phase der Organogenese in den ersten 3 Schwangerschaftsmonaten besonders schwerwiegende Auswirkungen haben. Es ist jedoch keine Noxe bekannt, die zu 100 % eine Fruchtschädigung verursacht. Röteln (ca. 50 %) und Thalidomid (ca. 30 %) gelten als diejenigen Noxen, die am häufigsten tatsächlich zu Schäden geführt haben. Auch ohne Arzneitherapie beträgt die spontane Fehlbildungsrate ca. 3–5 %.

Sofern eine Schwangerschaft bekannt ist, liegen für die meisten Indikationen ausreichend erprobte Therapieoptionen vor. Insbesondere im 1. Trimenon sollten moderate Dosen ausreichend evaluierter Pharmaka verabreicht werden. Neu eingeführte Präparate sollten bei Frauen im fertilen Alter zurückhaltend verordnet werden.

Die Konsultation einer teratologischen Beratungsstelle kann im Zweifelsfall zu einer Klärung des Risikos beitragen und das Follow-up zusätzlicher Expositionen ermöglichen. Eine enge interdisziplinäre Kooperation der betreuenden Fachärzte und pränatalmedizinischen Zentren trägt meist zu einer Beruhigung der verunsicherten Patientin bei.

Literatur

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PD Dr. G. C. Meyberg-Solomayer

Universitäts-Frauenklinik Tübingen

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