Frauenheilkunde up2date 2008; 2(6): 521-536
DOI: 10.1055/s-0028-1098757
Geburtshilfe und Perinatalmedizin

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart ˙ New York

Die medikamentöse Geburtseinleitung

W. H. Rath
Further Information

Publication History

Publication Date:
18 December 2008 (online)

Kernaussagen

Als eine der häufigsten geburtshilflichen Maßnahmen erreicht die medikamentöse Geburtseinleitung in den westlichen Nationen mittlerweile eine Häufigkeit von bis zu 20 %. Beinahe ein Drittel dieser Geburtseinleitungen ist elektiver Natur. Vorrangiges Ziel dabei ist immer, durch die Geburtseinleitung zu einem besseren perinatalen Ergebnis für Mutter und Kind zu kommen als durch ein abwartendes Verhalten.

Da der Erfolg einer Geburtseinleitung von mehreren Faktoren abhängt, sollte die Entscheidung zur medikamentösen Einleitung der Geburt erst nach einer sorgfältigen Aufklärung und individuellen Risiko-Nutzen-Analyse erfolgen. Als prädiktiver Faktor für eine erfolgreiche Einleitung gilt dabei der Reifegrad der Zervix (Bishop-Score ≥ 6), dieser bestimmt im Weiteren auch die Wahl des Einleitungsverfahrens. Zur Verfügung stehen – je nach Reifegrad der Zervix – die folgenden Methoden: Oxytocin i. v. sowie verschiedene Darreichungsformen von nativem Prostaglandin E2 (intrazervikale Applikation, Vaginalgel, -tablette und Vaginalinsert). Das synthetische Prostaglandin-E1-Analogon Misoprostol wird zwar weltweit ebenfalls erfolgreich zur Geburtseinleitung verwendet, ist aber für diese Indikation nicht zugelassen und seit 2006 in Deutschland auch nicht mehr erhältlich (Off-Label- und Off-Licence-Use).

Besonderheiten ergeben sich bei einer Geburtseinleitung nach vorangegangener Sektioentbindung insofern, dass zusätzliche Kontraindikationen bestehen, wie z. B. ein Zustand nach Uterusruptur, nach vorangegangener Hysterotomie oder nicht quer-isthmischer Schnittführung. Ansonsten sind die Voraussetzungen für eine Einleitung nach Sektio denjenigen der „normalen” Geburtseinleitung vergleichbar. Die mütterlichen und kindlichen Risiken einer Geburtseinleitung nach Sektio müssen gegen diejenigen einer elektiven Re-Sektio abgewogen werden.

Literatur

Prof. Dr. med. W. H. Rath

Medizinische Fakultät der RWTH Aachen · Gynäkologie und Geburtshilfe

Wendlingweg 2

52074 Aachen

Email: [email protected]