PiD - Psychotherapie im Dialog 2009; 10(1): 19-24
DOI: 10.1055/s-0028-1090187
Aus der Praxis

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Leben mit Intersexualität

Behandlungserfahrungen, Geschlechtsidentität und LebensqualitätKatinka  Schweizer, Hertha  Richter-Appelt
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Publication Date:
13 March 2009 (online)

Zusammenfassung

Das Phänomen der Intersexualität ist in der psychotherapeutischen Praxis und Ausbildung kaum thematisiert. Dabei ist von einer erhöhten Indikation zur Psychotherapie bei Betroffenen auszugehen. Im Rahmen des Hamburger Forschungsprojekts am Institut für Sexualforschung wurden erstmals in Deutschland Erwachsene mit verschiedenen Formen der Intersexualität (z. B. „XY-Frauen”) umfassend zu ihren Behandlungserfahrungen und verschiedenen Aspekten der psychischen, körperlichen und sexuellen Lebensqualität sowie zum individuellen Erleben und Umgang mit der eigenen körperlichen Besonderheit befragt. Es wird ein Einblick in die Forschung der Hamburger Forschergruppe Intersexualität gegeben und für eine Sensibilisierung der Wahrnehmung dieser Personengruppe in Psychotherapie und psychologischer Beratung plädiert.

Literatur

1 Die Studie wurde gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

2 Diese Identitätsbeschreibung stammt aus der gleichnamigen Selbsthilfegruppierung. Gemeinsam ist den Angehörigen dieser Gruppe „ein männlicher XY-Chromosomensatz bei einem weiblichen äußeren Erscheinungsbild”. Die Gruppe versteht sich als „Kontaktgruppe für Menschen, die sich mit der Problematik auseinandersetzen müssen, nicht ohne Weiteres in die gängigen Mann / Frau-Schemata hineinzupassen” sowie als „eine Familie im großen Clan der Menschen zwischen den Geschlechtern” (s. www.xy-frauen.de).

3 Entsprechend der Kriterien von Franke (2000) kann ein Proband dann als psychisch auffällig, mit klinisch relevantem Leidendruck, eingestuft werden, wenn er im BSI-Gesamtwert oder in mindestens 2 Einzelskalen des BSI einen T-Wert von 63 erreicht oder überschreitet.

Prof. Dr. Hertha Richter-Appelt

Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie, Zentrum für Psychosoziale Medizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Martinistraße 52

20246 Hamburg

Email: hrichter@uke.uni-hamburg.de