Psychiatrie und Psychotherapie up2date 2009; 3(02): 81-92
DOI: 10.1055/s-0028-1090107
Abhängigkeitserkrankungen

Behandlung der Benzodiazepinabhängigkeit

Hans-Jürgen Rumpf
Kernaussagen
  • Die Benzodiazepinabhängigkeit ist eine häufige Suchterkrankung und wird nur selten behandelt. Obwohl es im Einzelfall abzuwägen ist, ob eine langfristige Gabe fortgesetzt werden sollte, ist in der Regel der Versuch, das Medikament abzusetzen, klares Mittel der Wahl.

  • Bereits bei der vom Arzt verordneten üblichen Dosis besteht die Gefahr einer Niedrigdosisabhängigkeit. Die Risiken des langfristigen Konsums sind neben der Abhängigkeitsentwicklung vor allem kognitive Einschränkungen, Sturzneigung und Verkehrsunfälle. Bei Insomniepatienten wird ebenfalls eine höhere Mortalität berichtet.

  • Der Entzug richtet sich primär nach der Einnahmedosis. Bei Niedrigdosisabhängigkeit kann ein langsames ambulantes Ausschleichen über 4–10 Wochen erfolgen, bei Hochdosisabhängigkeit ist eine stationäre Entgiftung notwendig.

  • Die Erfolgschancen sind insgesamt hoch, wobei bereits minimale Interventionen in Form eines schriftlichen Ratschlags Wirksamkeit aufweisen. Die meisten Studien beziehen sich jedoch auf änderungsbereite Patienten. Die Mehrheit der Betroffenen benötigt Hilfen zum Aufbau einer entsprechenden Motivation. Mit dem Motivational Interviewing steht hierfür ein evidenzbasiertes Mittel zur Verfügung.

  • Insgesamt sollte die Behandlung einem Stepped-Care-Ansatz folgen, bei dem mit wenig aufwendigen Maßnahmen wie Information und Ratschlag begonnen wird und intensivere psychotherapeutische oder suchtspezifische Hilfen bei Bedarf folgen.



Publication History

Publication Date:
05 March 2009 (online)

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