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DOI: 10.1055/s-0028-1089002
Berücksichtigung onkologischer, urologischer und gynäkologischer Aspekte bei Anlage einer Neoblase mit Beckenbodenrekonstruktion – Kontinenzerhaltende Rekonstruktion nach Evisceration des kleinen Beckens
Ziele: Die radikale Evisceration mit anschließender Ileum-Neoblasenbildung des kleinen Beckens bei invasiven gyn. und urolog. Tumoren mit Blaseninvasion bzw. bei Kloakenbildung soll so erfolgen, dass negative Auswirkungen minimiert werden und Folgeeingriffe vermeiden werden.
Material und Methoden: Unser Operationsschema wurde so komplettiert, dass:
1.) die urologische Komponente: Karzinomextirpation mit Zystektomie und Augmentation mit einem Ileumsegment in gleicher Sitzung mit der
2.) gynäkologischen Komponente: Hysterektomie und Kolposakropexie mit Beckenbodenrekonstruktion (titanisiertem extraleichten Netz) erfolgt.
Risika inkorrekten Abflusses der augmentierten Blase und Deszensusrisika werden praktisch ausgeschlossen. Es soll der Blasenboden schonend eleviert und ein Abknicken des Blasenhals-Blasenboden-Winkels, also eine Überlauf- und Beckenbodendysfunktion verhindert werden.
Ergebnisse: Bei diesem komplexen Operationsmodus wird die intakte Scheide erhalten, eine Harninkontinenz vermieden, ein Stumpfprolaps ausgeschlossen und mittelfristig die sexuelle Sphäre bewahrt. Diese Methodik wird seit 2004 (n=64) praktiziert. Der Nachbeobachtungszeitraum beträgt 36 Monate. Die sexuelle Sphäre der Frau wurde in 92% bewahrt. Sexuel aktiv waren 49%. Die Kontinenzrate lag bei 86%.
Schlussfolgerungen: Bei ganzheitlicher, also urologische und gynäkologische Aspekte einschließender Betrachtung solcher urologischer Eingriffe, die schwerwiegende gynäkologische Auswirkungen haben werden, empfiehlt es sich, einzeitige komplexe und rationelle Operationspläne zu befolgen. Es sollte mit diesem Konzept sowohl die primäre onkologische, urologische Zielsetzung erreicht werden als auch gynäkologische Folgeoperationen vermieden werden.
Blasenkarzinom - Kloake - Kolposakropexie - Sexualitätserhaltende Operation - invasiver Tumor