Hintergrund: Die Wirksamkeit von verhaltenstherapeutischen Ansätzen oder Nikotinersatztherapie
bei Tabakentwöhnung ist empirisch gut belegt. Dennoch werden Raucher dazu bislang
nicht ausreichend informiert und beraten. Wissensdefizite könnten eine Barriere für
die Empfehlung und Anwendung von Hilfen sein. Diese Studie untersucht, wie Hausärzte
die Wirksamkeit unterschiedlicher Methoden, zum Teil ohne empirisch nachgewiesene
Effektivität, einschätzen. Methode: Die Daten wurden im Rahmen einer Studie zur Implemetation proaktiver Beratungsangebote
für Tabakraucher, in einer Zufallsauswahl von 150 Hausarztpraxen Mecklenburg-Vorpommerns,
erhoben (Teilnahmerate 69,0%). An der schriftlichen Befragung zu Beginn der Studie
beteiligten sich 159 Hausärzte, darunter 66,7% Frauen. Sie waren im Mittel 49 Jahre
alt (SD=9,0). Ein Anteil von 11,9% (n=16) gab an Raucher zu sein, 15,1% (n=24) waren
Ex-Raucher. Die Wirksamkeit der Hilfen wurde auf einer 5-stufigen Likert Skala eingeschätzt
(1=überhaupt nicht wirksam bis 5=sehr wirksam). Ergebnisse: Mehr als die Hälfte der Befragten schätzt Kursprogramme (52,4%) und Verhaltenstherapie
(51,2%) mit „sehr wirksam“ bzw. „wirksam“ ein. Mehr als ein Viertel vergibt diese
Bewertung für Zyban (27,9%), Akupunktur (30,7%), Hypnose (36,4%). Nikotinersatztherapie
beurteilen 17,9% und Selbsthilfebroschüen, CDs oder Videos 14,9%. Keine Erfahrungen
mit den jeweiligen Hilfen zu haben und daher die Wirksamkeit nicht einschätzen zu
können, gaben für Hypnose 34,6%, Kursprogramme 34,5%, Selbsthilfebroschüren/CD/Video
27,0%, Verhaltenstherapie 23,9%, Zyban sowie Akupunktur jeweils 21,4% und Nikotinersatztherapie
9,4% an. Diskussion: Mehr als 30% der Hausärzte schätzt Hilfen zur Raucherentwöhung wie Hypnose oder Akupunktur,
für die bislang keine Effektivität nachgewiesen werden konnte, ähnlich wirksam ein
wie geprüfte Verfahren. Für nahezu alle Hilfen, mit Ausnahme der Nikotinsubstitution,
kann mehr als ein Fünftel der Hausärzte aufgrund mangelnder Erfahrungen keine Aussage
zur Wirksamkeit treffen.