Ultraschall Med 2008; 29 - V50
DOI: 10.1055/s-0028-1085784

Vorsorgewert der Sonografie im Rahmen präventiver Untersuchungen im Vergleich zur Ganzkörper-MRT

S Guth 1, C Gocke 1, CUH Herborn 1, CMB Bamberger 1
  • 1Medizinisches PräventionsCentrum Hamburg, am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, DE Hamburg

Ziel: Die Diskussion um Gesundheitsvorsorge nimmt derzeit in Deutschland einen breiten Raum ein. Die Wertigkeit einer umfangreichen Präventionsuntersuchung, die sowohl eine sogenannte Ganzkörper-MRT- Untersuchung (Ganzkörper-MR-Angiografie, MRT des Hirn- und Gesichtsschädels, des Thoraxraumes, des Abdomens ggf. incl. virtueller Coloskopie) sowie eine Ultraschalluntersuchung (extracranielle hirnzuführende Gefäße, Schilddrüse, Abdomen und Herz) umfasst, soll im Hinblick auf die Entdeckung bislang unbekannter, therapeutisch relevanter Befunde untersucht und die Aussagekraft der bildgebenden Verfahren verglichen werden.

Patienten und Methode: 911 konsekutive Pat. (303 Frauen, 608Männer, Alter min. 19a, max. 93a, mean 56,6a) wurden erfasst. 833 davon erhielten parallel eine sonografische und eine MRT-Untersuchung der o.g. Stationen. Für die Ultraschalldiagnostik wurden Geräte der Stufe III benutzt (Siemens Acuson Antares mit 1–4, 2–6-, 9 und 13MHz- Multifrequenzsonden, Siemens G60 1–4 Mhz). Die MRT- Untersuchungen wurden mit einem MR-Tomographen 1,5 Tesla (Fa. Siemens, Avanto, kontrastmittelunterstützt) durchgeführt.

Ergebnisse: Ausgewertet wurden alle Pat. mit parallelen Sonografie- und MRT-Untersuchungen im Hinblick auf kardiovaskuläre und tumoröse Befunde sowie Steinleiden bezüglich Inzidenz und im Methodenvergleich. Hierbei erwies sich die Sonografie in der Detektion früher arteriosklerotischer Veränderungen (Intima media-Verdickung und nicht stenosierende Plaques) der MR-Angiografie überlegen, die Sonografie sah hier in 152 Pat. frühe Veränderungen, die MR-Angiografie entdeckte davon nur 5, Halsgefäßstenosen ab 50% wurden in 16 Fällen in der Sonografie entdeckt, in der MRT sah davon 13. Thorakale (3) und abdominelle Aortenaneurysmata (4) sowie ein Mesenterialarterienaneurysma wurden mit beiden Methoden sicher erkannt. Eine Steatosis hepatis als wichtiger Parameter des metabolischen Syndroms fand man sonografisch in 190 Pat., dieses entzog sich der MRT-Diagnostik. Gallensteine wurden im MRT nur in 25/40 Fällen gesehen, Gallenblasenpolypen <1cm (59) und kleine Angiomyolipome (12) waren i.d.R. in den benutzten MR-Sequenzen nicht darstellbar. Ein mehr als 1cm messender Gallenblasenpolyp wurde auch im MRT gesehen. Maligne tumoröse Befunde waren insgesamt selten (1,2%): Lymphom (2), Nierenzellkarzinom (2), Onkozytom (1), malignes Blasenpapillom (2), Appendixcarcinom (1), Magencarcinom (1), Cervixcarcinom (1), Lebermetastasen bei Nasopharynx-Carcinom (1), Bronchialkarzinom (2). Hier wurden alle abdominellen Befunde bis auf ein Onkozytom (sonografisch nicht darstellbar) in beiden Methoden gesehen. Auch in der Darstellung kleiner Leberherde (3FNH, 48Hämangiome, 3 unklare Befunde) erwiesen sich MRT (44/56) und Sonografie (46/56) als gleichwertig. Erwartungsgemäß war die MRT bei der Diagnostik von Schilddrüsenknoten unterlegen, hier wurden erst Knoten ab 1cm Größe erkannt. Auch 2 Nebenschilddrüsenkörperchenadenome wurden nur sonografisch gesehen. In der Sonografie übersehen wurden 2 Inzidentalome der linken Nebenniere (<=2cm). Methodenbedingt nicht darstellbar in der Sonografie waren die intracraniellen Befunde (Hirnarterienaneurysmata n=12, Meningeome n=12), die intrathorakalen Befunde (Bronchialkarzinom, n=2), sowie die Colonpolypen (n=7).

Schlussfolgerungen: Die im Rahmen eines Präventionsprogramms im Hinblick auf kardiovaskuläre und Tumorfrüherkennung durchgeführten Untersuchungen werden im Methodenvergleich dargestellt. Im Hinblick auf die Detektion der „Volkskrankheiten“– krankhafter Veränderungen des Gefäßsystems sowie Faktoren des metabolischen Syndroms – erwies sich die Sonografie überlegen, ebenso in der Früherkennung von Schilddrüsenerkrankungen. In der Darstellung tumoröser Veränderungen des Bauchraumes waren die Methoden gleichwertig. Die Ganzkörper- MRT entdeckt methodenbedingt zusätzlich krankhafte Veränderungen des Gehirn- und Gesichtsschädels, des Thoraxraumes sowie Colonpolypen.