Arthritis und Rheuma 2026; 46(01): 11-12
DOI: 10.1055/a-2775-4731
Gastkommentar

Sport- und Bewegungstherapie bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen – Evidenz ohne Umsetzung

Authors

  • Matthias Dreher

    1   Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Schwerpunkt Rheumatologie und klinische Immunologie
  • Julian Maximilian Kohl

    1   Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Schwerpunkt Rheumatologie und klinische Immunologie
    2   Universitäres Centrum für Autoimmunität, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Mainz, Deutschland
    3   RZ Rheumakliniken Rheinland-Pfalz GmbH, Bad Kreuznach   Deutschland
  • Andreas Schwarting

    1   Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Schwerpunkt Rheumatologie und klinische Immunologie
    2   Universitäres Centrum für Autoimmunität, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Mainz, Deutschland

Sport- und Bewegungstherapie ist eine evidenzbasierte und wirksame Maßnahme bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen [1]. Jedoch wird sie selten verordnet, sodass lediglich 22 bis 55 % der Patient*innen mit Spondyloarthritis, 31 % bei rheumatoider Arthritis (RA) bzw. systemischem Lupus erythematodes (SLE) Krankengymnastik erhielten, im Median 12 Einheiten bei der RA [2–4]. Aktuelle Daten zeigen bei chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankungen, dass ungefähr nur ein Drittel der Betroffenen mehr als 2 Stunden pro Woche sportlich aktiv ist [1], [5]. Beim SLE erreichen lediglich 11 bis 29,8 % der Patient*innen die Bewegungsempfehlungen der WHO [6].

Dies kontrastiert deutlich mit den EULAR-Empfehlungen für chronisch-entzündliche Gelenkerkrankungen sowie den Empfehlungen zur Bewegung beim SLE, die ausdrücklich die Bedeutung von Bewegung und Sport in Ahnlehnung an die ASCM- bzw. WHO-Empfehlungen betonen [7], [8], [9].

Derzeit stehen physiotherapeutische und ergotherapeutische Verordnungen als individuell ausgerichtete Maßnahmen sowie im Therapieverlauf Funktionstraining und Rehabilitationssport als Gruppenangebote zur Verfügung. Ein rheumaspezifisches, strukturiertes und mehrwöchiges, individualisiertes trainingstherapeutisches Programm, das alle relevanten Versorgungsbereiche abbildet und im Sinne einer medizinischen Trainingstherapie konzipiert ist, existiert bislang jedoch nicht.

Von zentraler Bedeutung bleibt jedoch eine frühzeitige rheumatologische Diagnose, um irreversible Gelenkschäden zu verhindern, die nicht nur den Krankheitsverlauf, sondern auch die körperliche Funktionsfähigkeit und damit die Möglichkeit zur sportlichen Betätigung erheblich einschränken [5], [10], [11]. Der aktuelle Mangel von ungefähr 700 Rheumatolog*innen verschärft diese Problematik und stellt eine zentrale Herausforderung für eine adäquate, leitliniengerechte Versorgung dar [11].



Publication History

Article published online:
25 February 2026

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