Arthritis und Rheuma 2026; 46(01): 05-07
DOI: 10.1055/a-2707-2088
Editorial

Sport bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen

Autor*innen

  • Christoph Biehl

    Gießen
  • Philipp Sewerin

    Bochum

Liebe Leserin, lieber Leser,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

in Deutschland diskutieren wir aktuell darüber, ob sich eine Stadt oder Region als Austragungsort für die Olympischen Spiele bewerben sollte. Nachdem das IOC Olympia 1972 nach München vergeben hatte, wurde die Trimm-dich-Bewegung ins Leben gerufen und hat als niederschwelliges Breitensportangebot die Menschen in Bewegung gebracht. Auch in der Rheumatologie hat sich seit den 70ern die Einstellung zu Sport bei entzündlichen Erkrankungen gewandelt. Nicht mehr in Watte packen, sondern seinen Körper fordern dürfen, ist das Credo der Stunde. Adjuvante Behandlungsoptionen bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungsbildern sollten bereits bei dem Verdacht auf eine Erkrankung angesprochen und eingeleitet werden [1].

Dreher et al. weisen in ihrem Kurzbeitrag auf das bestehende Versorgungsdefizit der Sport- und Bewegungstherapie bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen hin. Problemfelder müssen nicht nur erkannt und benannt werden. Zur Konsequenz gehören die Einführung und Umsetzung geeigneter Maßnahmen, nicht nur, aber für uns in der Rheumatologie ganz besonders.

Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang, auch solche mit einer inflammatorischen Erkrankung. Diesen zu unterstützen und nicht durch gut gemeinte Schonung Kindern Restriktionen aufzuerlegen, führte zur Entwicklung der Leitlinie. Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang, der auch mit kleinschrittigen und niederschwelligen Aktivitäten unterstützt werden sollte [2]. Denn Studien belegen die positiven Effekte auf das seelische Wohlbefinden und die Krankheitsaktivität. Kollege Milatz vom DRFZ stellt in seiner Arbeit die aktuelle Evidenz dar, leitet hieraus konkrete Empfehlungen ab und zeigt die Perspektiven im Hinblick auf Kinder und Jugendliche mit Arthritis auf.

Depression, Fatigue und eine verbleibende Schmerzproblematik werden in Zusammenhang mit Adhärenzproblemen der DMARD-Therapie als mögliche Ursachen genannt. Illgner und Kollegen führen in ihrem Artikel den Beitrag von Sport und Bewegung als einen zentralen Baustein einer multimodalen Behandlung aus. Sie weisen gleichzeitig darauf hin, dass bei Patienten mit chronisch-entzündlich dramatischen Erkrankungen weiterhin Barrieren und Ängste in Bezug auf Sport bestehen. Daten, worauf sich diese begründen, liegen nur rudimentär vor und sind Gegenstand ihrer sportwissenschaftlichen Forschung.

Martin Lorenz berichtet in seinem Artikel zur Sportbelastung bei fortgeschrittener rheumatoider Gelenkaffektion, dass mit dem Nachweis von Destruktionen oder auch einem erforderlichen Gelenkersatz eine regelmäßige und angepasste Sportbelastung ein wirksamer und sicherer Bestandteil der Therapie sein sollte. Basierend auf den neuro- und gelenkphysiologischen Grundlagen stellt er das Konzept des differenzierten und risikoadaptierten Vorgehens der Rehabilitation vor, um Patienten zu befähigen, Bewegung dauerhaft in ihr privates und berufliches Leben zu integrieren.

Getreu dem Spruch, dass Sport im Verein am schönsten sei, erläutern Abdo und Kollegen die Möglichkeiten des Mannschaftsports für Patienten mit inflammatorischen Erkrankungen. Ist die Datenlage für Sport und Bewegungstherapie bei Rheumatikern schon eingeschränkt, so ist sie für diese spezielle Form als fehlend anzusehen.

Den Autorinnen und Autoren sei an dieser Stelle für ihr Engagement gedankt, das zum Gelingen dieses Heftes beigetragen hat. Die geneigte Leserschaft möge aus den vorgestellten Arbeiten konkrete Handlungsweisen für ihre tägliche Arbeit mit den Patienten ziehen, um ihre eigenen Therapieoptionen jenseits der medikamentösen Therapie zu erweitern. Wer darüber hinaus mit den Autorinnen und Autoren ins Gespräch kommen möchte, der/dem seien die nächsten Veranstaltungen, wie der Rheumatologiekongress im September in Leipzig, ans Herz gelegt.

Herzliche Grüße

Priv.-Doz. Dr. Christoph Biehl, Gießen

Prof. Dr. Philipp Sewerin, Bochum



Publikationsverlauf

Artikel online veröffentlicht:
25. Februar 2026

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  • Literatur

  • 1 Dreher M, Kosz M, Schwarting A. [Physical activity, exercise and nutrition in rheumatism : Adjuvant treatment options for inflammatory-rheumatic diseases]. Orthopade 2019; 48 (11) 917-926
  • 2 Garza JC, Murray NG, Sharma S. et al. Physical activity, physical fitness, and social, psychological, and emotional health. In: Armstrong N, van Mechelen W. eds. Paediatric Exercise Science and Medicine. Oxford: Oxford University Press; 2008