Zusammenfassung
Hintergrund
Die dynamische Entwicklung hin zur roboterassistierten Chirurgie betrifft insbesondere
die operative Gynäkologie. Die Analyse von Operationsdaten roboterassistierter Eingriffe
seit der ersten Anwendung an einem operativen Zentrum liefert wertvolle Erkenntnisse
zur Einführungsphase und Integration des Da Vinci-Systems in den klinischen Routinebetrieb,
sowie deren Auswirkungen auf die Patientenversorgung. Ziel dieser Arbeit war es, den
Lernkurvenverlauf gezielt zu untersuchen und den Trend des Professionalisierungsprozesses
bei der Implementierung der Methodik darzustellen. Schwerpunkt der Auswertung liegt
dabei bei der häufigsten initialen Prozedur im Einführungsprozess: der benignen totalen
Hysterektomie mit Salpingektomie.
Material und Methode
Retrospektive Datenanalyse der ersten n = 250 Patientinnen, die zwischen Februar 2020
und Juni 2022 von 5 verschiedenen Operateuren mit dem Da Vinci-Operationssystem am
Universitätsklinikum Freiburg operiert wurden. Ausgewertet wurden klassische OP-Parameter
wie Vorbereitungszeit, Schnitt-Naht-Zeit, Konsolenzeit und daraus resultierende Lernkurven
der Operateure und des OP-Teams (inkl. CUSUM-Analyse). Zudem Erfassung perioperativer
Patientinnencharakteristika (bspw. Blutverlust, Hospitalisationsdauer, Konversionsrate).
Ergebnisse
Die Mehrheit der Eingriffe (30%) erfolgte aufgrund eines Uterus myomatosus. Mit steigender
Anzahl an durchgeführten Eingriffen konnten die OP-Zeiten deutlich reduziert werden:
Die OP-Vorbereitungszeit reduziert sich innerhalb der ersten 30 Eingriffe von 28,1 ± 8,6 min
auf 23,8 ± 7,2 min. Die Schnitt-Naht-Zeit bei Durchführung einer benignen totalen
Hysterektomie mit Salpingektomie lag bei 94,0 ± 42,2 min und zeigt eine deutliche
Abnahme innerhalb der ersten 20 Eingriffe. Die durchschnittliche Konsolenzeit lag
bei 66,8 ± 36,1 min, wobei sich für die ersten 20 Eingriffe ein besonders deutlicher
Abfall zeigt. Individuelle Lernkurven einzelner Operateure zeigen deutliche Abnahmen
der Konsolenzeit, z. B. bei Operateur A Reduktion der durchschnittlichen Konsolenzeit
innerhalb der ersten 10 Eingriffe von 70,5 ± 23,0 min auf 46,9 ± 13,5 min. Die Konversionsrate
lag im Gesamtkollektiv bei 0,8%.
Diskussion
Bei Auswertung der ersten 250 Da Vinci-Operationen zeigte sich eine rasche Erlernbarkeit
roboterassistierter Operationen. Die Konversionsrate ist mit 0,8% sehr niedrig. Ein
positiver Effekt in der Lernkurve einzelner Operateure zeigt sich nach ca. 20 Eingriffen.
Sowohl die Vorbereitungszeit als auch die Schnitt-Naht-Zeit konnten rasch gesenkt
werden, sodass die Integration in den klinischen Routinebetrieb problemlos möglich
war.
Schlüsselwörter roboterassistierte Chirurgie - Da Vinci - Lernkurve - Konversionsrate - Konsolenzeit