Zusammenfassung
Der Umgang mit Nicht-Anlagen bleibender Zähne ist eine anspruchsvolle Aufgabe im
Praxisalltag. Die weltweite Prävalenz der Nicht-Anlage eines oder mehrerer Zähne
variiert stark und liegt unter Ausschluss der 3. Molaren bei 0,15% – 16,18%
[1]
[2].
Die zweiten Prämolaren im Unterkiefer sind hierbei die häufigsten nicht
angelegten Zähne [3]
[4]
[5]
[6]
[7]
[8]. Die Prävalenz der Nicht-Anlage der unteren
zweiten Prämolaren beträgt je nach Studie und untersuchter Population zwischen
1,02% – 3,5% [9]
[10]
[11]. Patientinnen sind in der
Regel häufiger betroffen als Patienten [9]
[11]
[12]. Insofern es indiziert und erwünscht ist einen
kieferorthopädischen Lückenschluss in dieser Region anzustreben, sollte bei
Extraktion der Zähne 75 und 85 eine übermäßige Atrophie des Alveolarfortsatzes
verhindert werden, da diese einen Lückenschluss erschwert beziehungsweise
verlangsamt [13]. Bereits sechs Monate nach
erfolgter Extraktion kann sich der Alveolarfortsatz bis zu 1,87 mm in der Breite
und zwischen 1,24–2,03 mm in der Höhe reduzieren [14]
[15].
Die Hemisektion unterer Milchmolaren bei Nicht-Anlage der unteren zweiten
Prämolaren schafft es durch den Verbleib eines Zahnanteils, die Knochenatrophie
zu vermindern und stellt außerdem eine nebenwirkungsarme und effektive
Alternative einer kieferorthopädischen Verankerungsmöglichkeit dar.
Ziel dieses Artikels ist es, auf die Geschichte der Hemisektion in der
Kieferorthopädie einzugehen, Anwendungsbereiche aufzuzeigen und Indikationen zu
erläutern.
Abstract
Dealing with agenesis of permanent teeth is a challenging task in everyday
practice. Excluding the third molars, the worldwide prevalence varies greatly
with an inconsistent range between 0.15% and 16.18% [1]
[2]. Of these, the mandibular
second premolars are the most frequently missing teeth [3]
[4]
[5]
[6]
[7]
[8]. The
prevalence of the agenesis of the mandibular second premolars is between 1.02%
and 3.5%, depending on the study and population examined [9]
[10]
[11]. Female patients are generally affected
more frequently than male patients [9]
[11]
[12].
If orthodontic space closure is indicated and possible, excessive atrophy of the
alveolar process caused by extraction of the teeth 75 and 85 should be
prevented, as it slows down tooth movement and the rate of space closure [13]. Just six months after tooth extraction,
the alveolar process can be reduced by up to 1.87 mm in width and 1.24–2.03 mm
in height [14]
[15].
The hemisection of lower deciduous molars in the absence of lower second
premolars prevents bone atrophy and also represents an effective alternative to
orthodontic anchorage with few side effects.
The aim of this article is to discuss the history of hemisection in orthodontics,
to show areas of application and to explain indications.
Schlüsselwörter
Nicht-Anlagen bleibender Zähne - Hemisektion - Lückenschluss
Keywords
agenesis of permanent teeth - hemisection - orthodontic space closure