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DOI: 10.1055/a-2232-6485
Stuhlinkontinenz: ein unterschätztes Krankheitsbild mit erheblichem Leidensdruck
Autor*innen
Die Stuhlinkontinenz ist ein häufiges Krankheitsbild und verursacht eine Einschränkung der Lebensqualität. Gleichzeitig dauert es aufgrund des Schamgefühls häufig Jahre, bis sich Betroffene einem Arzt/einer Ärztin anvertrauen. Dabei kann oftmals schon mit einfachen konservativen Maßnahmen eine deutliche Verbesserung der Beschwerden erreicht werden. Bei der Behandlung steht die Patientenzufriedenheit stets im Fokus.
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Die Stuhlinkontinenz ist ein häufiges Krankheitsbild und betrifft bis zu 18,8% der befragten Bevölkerung.
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Die Ursache einer Stuhlinkontinenz ist häufig multifaktoriell und selten isoliert.
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Mit einer zielgerichteten Anamnese und einer fokussierten Untersuchung (ohne notwendiges Instrumentarium) kann die Diagnose Stuhlinkontinenz bereits gestellt und häufig auch eine Erstlinientherapie eingeleitet werden.
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Die Anamnese sollte u.a. Aufschluss geben zu Stuhlkonsistenz, Schweregrad und Frequenz der Inkontinenz, Ernährungs- und Trinkgewohnheiten, Gebrauch von Nahrungsergänzungsmitteln, Dauermedikation, Voroperationen, Geburtsanamnese und ggf. zum gleichzeitigen Vorliegen einer rektalen Entleerungsstörung.
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In der klinischen Untersuchung ist u.a. zu achten auf das Vorhandensein eines Prolapses, Narben nach Voroperationen und/oder Episiotomie, Vorlagen in der Unterwäsche/verschmutzte Unterwäsche, Ekzem/Hautirritationen/Exkoriationen, Descensus perinei, Sphinktertonus in Ruhe und nach Aufforderung zum Kneifen, Koordination des Beckenbodens, Impaktationen, Stenosen, Raumforderungen sowie Strikturen im Analkanal und distalen Rektum.
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Die Erstlinientherapie umfasst u.a. Maßnahmen für eine konsequente Stuhlregulation und einen konsequenten Hautschutz sowie die Aufnahme von Beckenbodengymnastik mit/ohne Biofeedbacktherapie.
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Zur weiterführenden Diagnostik gehören insbesondere der endoanale Ultraschall und die dynamische MRT.
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In der Zweitlinientherapie steht als konservative Möglichkeit vorrangig die transanale Irrigation zur Verfügung.
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Die operativen Therapiemöglichkeiten umfassen die operative Versorgung eines Rektumprolapses, die sekundäre Sphinkter-Rekonstruktion, die sakrale Nervenmodulation und als Ultima Ratio die Anlage eines Stomas.
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Informationen für Patienten und Ärzte halten auch Fachgesellschaften (z.B. die Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V) bereit.
Schlüsselwörter
anale Inkontinenz - Ballaststoffe - Stuhlregulation - Beckenbodengymnastik - sakrale NeuromodulationPublikationsverlauf
Artikel online veröffentlicht:
12. August 2024
© 2024. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag KG
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Literatur
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