physioscience 2024; 20(01): 43-44
DOI: 10.1055/a-2170-6551
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Sauerstoff im Vergleich zu Raumluft während des Trainings bei COPD mit belastungsinduzierter Entsättigung

Oxygen Compared to Air during Exercise Training in COPD with Exercise-induced DesaturationRezensent(en):
Stéphanie Saxer

Zusammenfassung

Hintergrund

Die pulmonale Rehabilitation ist ein wichtiger Bestandteil bei der Behandlung von Patient*innen mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) [8]. Bei Patient*innen mit respiratorischen Erkrankungen kommt es während der Belastung häufig zu einer relevant reduzierten Sauerstoffsättigung des Blutes, obwohl diese in Ruhe nahezu normal ist. Das führt zu einer Belastungsdyspnoe und einer reduzierten körperlichen Leistungsfähigkeit, was u. a. Aktivitäten des täglichen Lebens beeinträchtigt und mit einer reduzierten Lebensqualität einher geht [7] [9]. In verschiedenen Studien konnte bereits aufgezeigt werden, dass die zusätzliche Abgabe von Sauerstoff gerade bei diesen Patient*innen einen positiven Effekt hat [3]. Es ist bisher nicht bekannt, ob eine Sauerstofftherapie während des Trainings in einer pulmonalen Rehabilitation bei COPD-Patient*innen, die nur unter Belastung entsättigen, einen zusätzlichen Effekt hervorbringen könnte.


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Ziel

Die Studie von Alison et al. überprüfte den Effekt der zusätzlichen Gabe von Sauerstoff während des Trainings im Vergleich zu Placebo (Raumluft) bei COPD-Patient*innen mit belastungsinduzierter Desaturation. Der Fokus lag insbesondere auf der Ausdauerfähigkeit und der Lebensqualität und sekundär auf der Gehfähigkeit, der Dyspnoe sowie der körperlichen Aktivität der Patient*innen.


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Methode

Es handelt sich um eine prospektiv, multizentrisch, randomisiert kontrollierte Studie, das Protokoll wurde ebenfalls veröffentlicht [1]. Dabei waren neben den Teilnehmenden, die Therapeut*innen und Untersucher*innen verblindet. Eingeschlossen wurden Patient*innen mit einer diagnostizierten COPD, die am Ende des 6-Minutengehtests (6MWT) eine Sauerstoffsättigung unter 90 % hatten. Der Sauerstoff, respektive das Placebo (Raumluft), wurde mit einem identisch aussehenden Konzentrator (5 L NewLife Elite Oxygen Concentrator; AirSep, Buffalo, NY, USA) mit jeweils 5 l/min Flussrate appliziert. Das Training wurde insgesamt während 8 Wochen dreimal pro Woche durchgeführt.

Die Intervention, also das körperliche Training, beinhaltete für beide Gruppen ein 20-minütiges Training auf dem Laufband (Tempo 80 % der durchschnittlichen 6MWT-Geschwindigkeit) und ein 10-minütiges Ergometertraining (60 % der maximalen Leistungsfähigkeit, abgeschätzt durch den 6MWT). In der 3. Woche wurde das Ergometertraining von 10 auf 20 Minuten gesteigert. Die Intensität wurde anhand der Borg-Skala (0–10) gesteigert, sodass die Werte bei 3–4/10 auf der Skala lagen. Während des Trainings wurde stets die Sauerstoffsättigung gemessen, wobei bei einer Sättigung < 80 % gestoppt wurde. Sobald die Sättigung wieder über 88 % lag, wurde das Training fortgesetzt.

Die primären Endpunkte waren die mittlere Differenz der beiden Gruppen (Sauerstoff und Placebo) des Endurance Shuttle Walk Tests (ESWT) und die gesundheitsbezogene Lebensqualität, gemessen anhand des Chronic Respiratory Disease Questionaire’ (CRQ), die nach 8 Wochen Training untersucht wurden.


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Ergebnisse

Insgesamt wurden 111 Teilnehmende (51 Frauen) randomisiert (58 in der Sauerstoffgruppe und 53 in der Placebogruppe), beim Follow-up nach 6 Monaten wurden 42 Teilnehmende in der Sauerstoffgruppe und 36 in der Interventionsgruppe analysiert. Das mittlere Alter der Proband*innen betrug 69 ± 7 Jahre, mit einer schweren COPD, einer mittleren Einsekundenkapazität (FEV1) von 46 ± 17 % vom Sollwert und einem Tiffeneau-Wert (FEV1/FVC [forcierte Vitalkapazität]) von 0,43 ± 0,13.

Die primären Endpunkte veränderten sich bei beiden Gruppen während der Rehabilitation signifikant: ESWT-Sauerstoffgruppe nach der Rehabilitation (mittlere Differenz und 95 %-Konfidenzintervall) 162 s (80–244); Placebogruppe 147 s (59–235), die mittlere Differenz betrug 15 s (−106–136). CRQ-Sauerstoffgruppe nach der Rehabilitation: 0,4 (0,2–0,7); Placebogruppe: 0,4 (0,2–0,7), die mittlere Differenz betrug 0,0 (−0,3–0,3).


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Schlussfolgerungen

Alison et al. [2] konnten keinen signifikanten Unterschied durch die zusätzliche Gabe von Sauerstoff im Vergleich zu Placebo zwischen den beiden Gruppen aufweisen. Insgesamt konnten aber durch die Rehabilitation beide Gruppen ihre Leistungsfähigkeit, im Besonderen die Ausdauer, sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität steigern. Die Trainingsintensität war auf dem Laufband bei beiden Gruppen gleich, beim Ergometertraining konnte die Sauerstoffgruppe eine höhere Intensität absolvieren als die Kontrollgruppe. Das Dyspnoe-Empfinden war bei beiden Gruppen gleich.


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Publikationsverlauf

Artikel online veröffentlicht:
19. Februar 2024

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