Krankenhaushygiene up2date 2022; 17(04): 303-304
DOI: 10.1055/a-1925-5131
Studienreferate

Kommentar zu Amerikanische Empfehlungen zur Prävention von ZVK-assoziierten Blutstrominfektion: Ein Update

Rezensent(en):
Sebastian Schulz-Stübner

Die Veränderungen der SHEA/IDSA/APIC Practice Recommendation 2022 gegenüber den Empfehlungen von 2014 [111] sind überschaubar und beschränken sich häufig auf eine Modifikation des Evidenzgrades und die redaktionelle Aufbereitung, auch im Vergleich zu den Empfehlungen der KRINKO [222] [333] [444].

Von praktischer Bedeutung erscheint in erster Linie die Verlängerung des Wechselintervalls von Infusionsleitungen kristalliner Lösungen auf 7 Tage im Sinne eines „minimal handling“, welche auch KRINKO-konform durch die dortige Formulierung „nicht häufiger als 96 Stunden“ möglich ist. In der Praxis bedeutet dies, dass auch die Hahnenbänke bis zu 7 Tage verbleiben sollten, da sich ansonsten kein Vorteil im Sinne von weniger Manipulationen ergibt, auch wenn sich die der Empfehlung zugrundeliegende Studie [555] hierzu nicht explizit äußert und die grundsätzliche Frage der optimalen Nutzungsdauer der Infusionssysteme als ungeklärt angesehen wird.

Die ausschließliche Erwähnung von Chlorhexidin als remanent wirksamer Substanz sowohl bei Ganzkörperwaschungen als auch in Kombination mit Alkohol bei der Hautdesinfektion erklärt sich mit der Nicht-Verfügbarkeit von Alternativen in den USA und den daher überwiegend mit dieser Substanz durchgeführten Studien.

Während die SHEA/IDSA/APIC Practice Recommendation die antiseptischen Ganzkörperwaschungen und auch antiseptisch beschichtete Verbände generell empfiehlt, stehen diese in den KRINKO-Empfehlungen unter einem Indikationsvorbehalt hoher Infektionsraten trotz konsequenter Umsetzung etablierter Bündelmaßnahmen oder dem Vorliegen besonderer Risiken. Dies erscheint angesichts der epidemiologischen Situation in Deutschland auch nach wie vor sinnvoll, wobei der Cutoff nach einrichtungsspezifischer Risikoanalyse festgelegt werden muss und bei individualmedizinischen Entscheidungen auch andere Faktoren wie antizipierte Katheterliegedauer, Anzahl sonstiger Katheter und krankheitsspezifische Begleitfaktoren berücksichtigt werden sollten.

Ähnlich ist die Empfehlung zur V. subclavia als bevorzugtem Anlageort für ZVK zu sehen, da hier auch die Fähigkeiten des Legenden, die anatomischen Gegebenheiten und die Risiken für mechanische Komplikationen (vor allem Pneumothorax) neben dem infektionspräventiven Aspekt berücksichtigt werden müssen.

Die für Dialysezugänge als zusätzliche Maßnahme beschriebene wöchentliche Verwendung von rt-PA ist derzeit aufgrund von Lieferengpässen nicht möglich und könnte durch geeignete Präparate auf Urokinasebasis ersetzt werden, sofern dies in der jeweiligen Dialyseabteilung bzw. auf der jeweiligen Intensivstation als notwendig erachtet wird.

Das Thema der optimalen Gestaltung der Zuspritz-Zugänge und ihrer Desinfektion bzw. der Verwendung antiseptischer Kappen bleibt nach wie vor nicht mit klarer Evidenz beantwortbar und muss daher pragmatisch vor Ort mit den vorhandenen Mitteln gelöst werden, wobei die Schulung und konsequente Anwendung des gewählten Prozedere unter laufender Infektions-Surveillance besonders wichtig erscheint.



Publikationsverlauf

Artikel online veröffentlicht:
30. November 2022

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Rüdigerstraße 14, 70469 Stuttgart, Germany

 
  • Literatur

  • 1 Marschall J, Mermel LA, Fakih M. et al. Strategies to prevent central line associated bloodstream infections in acute-care hospitals: 2014 update. Infect Control Hosp Epidemiol 2014; 35: 753-771 (PMID: 25376071)
  • 2 Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut Prävention von Infektionen, die von Gefäßkathetern ausgehen Teil 1 – Nichtgetunnelte zentralvenöse Katheter. Bundesgesundheitsbl 2017; 60: 171-206
  • 3 Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Prävention von Infektionen, die von Gefäßkathetern ausgehen Teil 2 – Periphervenöse Verweilkanülen und arterielle Katheter. Bundesgesundheitsbl 2017; 60: 207-215
  • 4 Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Prävention von Infektionen, die von Gefäßkathetern ausgehen Hinweise zur Implementierung Informativer Anhang 2 zur Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Bundesgesundheitsbl 2017; 60: 231-244
  • 5 Rickard CM, Marsh NM, Larsen EN. et al. Effect of infusion set replacement intervals on catheter-related bloodstream infections (RSVP): a randomised, controlled, equivalence (central venous access device)-non-inferiority (peripheral arterial catheter) trial. Lancet 2021; 397: 1447-1458 DOI: 10.1016/S0140-6736(21)00351-2. (PMID: 33865494)