Liebe Leserinnen und Leser
vielen in der Neonatologie erfahrenen Pflegekräften und Ärzt:innen
ist der Umstand geläufig, dass man gefährdeten Früh- und
Neugeborenen an ihrem Bewegungsmuster „irgendwie“ ansieht, wenn sie
später eine motorische Beeinträchtigung entwickeln. Das ist deswegen
bemerkenswert, weil die Motorik bei Neugeborenen und jungen Säuglingen noch
nicht unter zentraler Kontrolle steht und eine spastische Zerebralparese daher
für gewöhnlich erst dann erkennbar wird, wenn die Myelinisierung der
Pyramidenbahn so weit fortgeschritten ist, dass sich auch deren Schädigung
entsprechend auswirkt. Es ist das Verdienst des österreichischen
Entwicklungsneurologen Heinz Friedrich Rudolf Prechtl (1927–2014), der im
niederländischen Groningen lehrte, dass er das frühkindliche
Bewegungsmuster einer systematischen Auswertung zugänglich gemacht hat, die
auch valide diagnostische und prognostische Aussagen erlaubt.