B&G Bewegungstherapie und Gesundheitssport 2021; 37(05): 224-230
DOI: 10.1055/a-1589-9358
Wissenschaft

Körperliche Aktivität von Menschen mit geistiger Behinderung: Ergebnisse qualitativer Nutzerinterviews und Implikationen für zielgruppenspezifische Konzepte

Physical Activity in People with Intellectual Disabilities: Results of Qualitative User Interviews and Implications for Target Group-Specific Concepts
Antonia Mauro
1   Institut für Bildungs- und Versorgungsforschung im Gesundheitsbereich, Universität H Bielefeld
,
Laura Herrera Bayo
1   Institut für Bildungs- und Versorgungsforschung im Gesundheitsbereich, Universität H Bielefeld
,
Dirk Bruland
1   Institut für Bildungs- und Versorgungsforschung im Gesundheitsbereich, Universität H Bielefeld
,
Änne-Dörte Latteck
1   Institut für Bildungs- und Versorgungsforschung im Gesundheitsbereich, Universität H Bielefeld
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Zusammenfassung

Obwohl Menschen mit geistiger Behinderung ein vergleichsweise geringes körperliches Aktivitätsniveau aufweisen, sind zielgruppenspezifische Interventionen und Konzepte, die eine nachhaltige bewegungsbezogene Verhaltensänderung durch Stärkung bewegungsbezogener Kompetenzen anstreben, selten. Durch (systematische) Literaturrecherchen wurde angestrebt, wissenschaftlich verlässliche Aussagen zu wirksamen bewegungsfördernden Interventionen zu treffen. Bestehende Interventionen sind sehr heterogen, was dadurch nur mit hohen Einschränkungen gelang. Weiterhin wurde die Perspektive der Zielgruppe bislang kaum und somit unzureichend berücksichtigt.

Über 24 qualitative Interviews mit Menschen mit geistiger Behinderung wurden anhand eines partizipativ entwickelten Leitfadens individuelle bewegungsbezogene Wissensbestände und Erfahrungen, Strategien im Umgang mit körperlicher Aktivität und Wünsche an ein bewegungsförderndes Konzept erkundet. Individuelle und kontextuelle Einflüsse auf ein körperlich aktives Verhalten wurden identifiziert. Die Interviewergebnisse wurden genutzt, um Implikationen für die Konzeption von bewegungsfördernden Interventionen abzuleiten.

Als besonders charakteristisch für die Bevölkerungsgruppe stellten sich die sehr heterogenen kognitiven und körperlichen Fähigkeiten und die lebensweltlichen strukturellen Rahmenbedingungen dar. Es wird angenommen, dass insbesondere solche Konzepte die besonderen Eigenschaften der Zielgruppe adressieren können, welche sich flexibel an deren unterschiedliche Bedürfnisse und Fähigkeiten anpassen können. Zudem scheinen eine Förderung von selbstregulativen Kompetenzen im Umgang mit körperlicher Aktivität und das Ermöglichen eines niedrigschwelligen Zugangs zu körperlicher Aktivität zielführend.

Summary

Although people with intellectual disabilities have a comparatively low level of physical activity, target group-specific interventions and concepts that aim to achieve a sustainable change in physical activity related behaviour by strengthening movement-related skills are rare. Existing interventions are very heterogeneous and the perspective of the target group has hardly been considered so far. 24 qualitative interviews with people with intellectual disabilities were conducted to explore individual physical activity-related knowledge and experiences and strategies for dealing with physical activity. It is assumed that especially such concepts can address the specific characteristics of the target group, which can flexibly adapt to their different needs and abilities. The interview results were used to derive implications for the conception of physical activity interventions. The heterogeneous cognitive and physical abilities and the structural conditions of the living environment were particularly characteristic for the population group. It is assumed that especially such concepts can address the specific characteristics of the target group, which can flexibly adapt to their different needs and abilities. In addition, it seems expedient to promote self-regulatory skills in dealing with physical activity and to enable low-threshold access to physical activity.



Publikationsverlauf

Eingereicht: 20. Mai 2021

Angenommen: 07. August 2021

Artikel online veröffentlicht:
20. Oktober 2021

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