Frauenheilkunde up2date 2022; 16(03): 209-229
DOI: 10.1055/a-1579-7907
Gynäkologische Onkologie

Vorläuferläsionen Ovarialkarzinom: Implikationen für Diagnostik und Therapie

Annika Rohner
,
Annette Staebler
,
Stefan Kommoss

Über viele Jahrzehnte galt das ovarielle Deckepithel als Ursprungsort des Ovarialkarzinoms. Heute gehen wir davon aus, dass es die Tube ist, der in unserem Verständnis der Krankheitsentstehung und damit auch im Kontext präventiver Konzepte eine Schlüsselrolle zugesprochen werden muss. Mit diesem Artikel geben wir einen aktuellen Überblick zur Bedeutung und klinischen Relevanz potenzieller Vorläuferläsionen epithelialer ovarieller Neoplasien.

Kernaussagen
  • Beim Ovarialkarzinom differenziert man heutzutage histologische Typen mit unterschiedlichen makroskopischen und mikroskopischen Charakteristika, pathogenetischen Entstehungsmechanismen, prognostischer Bedeutung und molekularen Eigenschaften.

  • Das STIC gilt als früheste Manifestation des HGSOC. Nach Diagnose einer (vermeintlich) isolierten STIC-Läsion sollte mit den Patientinnen über ein operatives Staging diskutiert werden. Weitere Vor(vor-)läuferläsionen der Tube mit aktuell noch unklarer klinischer Relevanz sind SCOUT, STIL und die p53-Signatur.

  • Eine Aufarbeitung der Tube nach dem SEE-FIM-Protokoll erhöht die Detektionsrate von Vorläuferläsionen und ist der Goldstandard nach einer prophylaktischen Salpingektomie.

  • Ein Malignom des Ovars soll als FIGO-IIA-Tubenkarzinom bezeichnet werden, sobald neben einem High-grade serösen Malignom des Ovars ohne Kapselüberschreitung zusätzlich ein STIC im Bereich der Tube vorliegt.

  • Wird ein STIC diagnostiziert, soll der Patientin die Durchführung einer genetischen Untersuchung angeboten werden.

  • Borderlinetumoren sind Vorläuferläsionen der Non-HGSOC. In frühen Erkrankungsstadien diagnostiziert und behandelt, haben sie eine exzellente Prognose.

  • Ein fertilitätserhaltendes Vorgehen kann bei Borderlinetumoren angeboten werden mit Aufklärung über ein mit diesem Vorgehen erhöhtes Rezidivrisiko.

  • Sowohl die beidseitige Tubenligatur als auch die beidseitige Salpingektomie können zur Risikoreduktion für die Entstehung eines Ovarialkarzinoms beitragen.



Publikationsverlauf

Artikel online veröffentlicht:
08. Juni 2022

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