Pneumologie 2021; 75(08): 558-559
DOI: 10.1055/a-1503-1520
Pneumo-Fokus
Sektion 8

Schlafmedizin

Aktivitäten der Sektion

Die Sektion Schlafmedizin der DGP beschäftigt sich mit allen Formen von Erkrankungen oder Störungen, die im Schlaf auftreten oder den Schlaf beeinträchtigen. Der Mensch verbringt etwa ein Drittel seiner Lebenszeit schlafend, und ein gesunder Schlaf ist für nahezu alle Körperfunktionen einschließlich der Gedächtnisbildung von großer Bedeutung. Auf der anderen Seite werden verschiedene Schlafstörung, insbesondere die schlafbezogenen Atmungsstörungen mit einer Vielzahl organischer Veränderungen einschließlich kardiovaskulärer, metabolischer, immunologischer und auch maligner Komplikationen sowie der Demenzentwicklung in Verbindung gebracht. Neben gesundheitspolitischen Aspekten der schlafmedizinischen Versorgung liegt der Schwerpunkt der Aktivitäten in der Sektion 8 bei den schlafbezogenen Atmungsstörungen (SBAS), insbesondere der obstruktiven und zentralen Schlafapnoe sowie allen Formen der nächtlichen Atmungsinsuffizienz. Diese Störungen beinhalten u. a. die COPD, das Obesitas-Hypoventiationssyndrom (OHS), Zwerchfellparesen und andere neuromuskuläre Erkrankungen, bei denen sich eine respiratorische Störung oft schon im Schlaf zeigt, bevor sie im Wachzustand erkennbar wird.

Die Sektion 8 (Schlafmedizin) hat sich im Jahre 2021 im Rahmen der Sektionssitzung anlässlich des DGP-Kongresses sowie in kleineren Gruppen zu gezielten Fragestellungen mehrfach virtuell „getroffen“. Die SNAK-Tagung in Essen (verschoben auf 2022, neuer Termin folgt, Leitung: Prof. Dr. med. Christoph Schöbel) fiel wie schon 2020 der Corona-Pandemie zum Opfer.

DGP-Kongress

Die Sektion initiierte auf dem virtuellen DGP-Kongress 2021 vier Symposien (1. Schlafapnoe: Therapieformen zeitgemäß diskutiert, 2. Personalisierte Schlafmedizin: neue pathophysiologische Konzepte schlafbezogener Atmungsstörungen, 3. Schlaf, Immunologie und Neurologie, 4. Sauerstofftherapie in der Schlafmedizin), ein Frühseminar sowie eine Sitzung mit freien Vorträgen. Diese Symposien wurden insgesamt gut besucht und angeregt diskutiert. Ein ursprünglich für den Kongress geplanter Postgraduiertenkurs (Schlafmedizin für fortgeschrittene mit interaktiver Fallbesprechung) wurde auf den September verlegt. Ein Frühseminar zur Begutachtung der Fahrtauglichkeit bei OSA fiel aus.

Für den DGP-Kongress 2022 wurden der Programkommission neben dem o. g. Frühseminar und PG-Kurs vier Symposien vorgeschlagen (1. Evidenz oder Eminenz – Ist die OSA-Therapie wirklich wirksam?, 2. Schlafmedizin, quo vadis? Aktuelle schlafmedizinische Versorgung zwischen Wunsch und Wirklichkeit, 3. CO2, pathophysiologische Bedeutung und Therapieansätze, 4. Schlafbezogene Atmungsstörungen: Selten beachtete Modifikatoren und Folgen).

Themenschwerpunkte

  • Versorgungsmedizinische Aspekte der Betreuung schlafmedizinischer Patienten

  • Bewertung aktueller Studienergebnisse zu kardiovaskulären Komplikationen der Schlafapnoe und protektiven Effekten der CPAP-Behandlung und non-CPAP-Therapien

  • Digitalisierung der Schlafmedizin, Chancen durch die Telemedizin

  • Schlaf und Gehirn

  • Schlafmedizinische Versorgung im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie

Auswirkung der Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie hat einen erheblichen Einfluss auf die schlafmedizinische Versorgung im ambulanten und stationären Umfeld. Im Laufe der Corona-Pandemie wurde die Mehrzahl der schlafmedizinischen Versorgungseinheiten ganz oder vorrübergehend geschlossen zum Schutz der Mitarbeiter und um eine Übertragung zwischen den Patienten zu verhindern. Ferner wurden im stationären Sektor schlafmedizinische Einheiten samt Personal oft für die mögliche Versorgung beatmungspflichtiger Corona-Patienten umgewidmet. Nachdem sich rasch abzeichnete, dass die Corona-Pandemie die medizinische Versorgung über einen längeren Zeitraum begleiten wird, galt es, Kriterien für die Fortsetzung bzw. Wiederaufnahme der schlafmedizinischen Versorgung zu definieren, um die negativen Auswirkungen der medizinischen Unterversorgung schlafmedizinisch erkrankter Menschen zu minimieren. Neben allgemeinen infektpräventiven Maßnahmen mussten hierfür spezielle Aspekte der schlafmedizinischen Versorgung (mögliche Übertragung unentdeckter Krankheitsfälle durch Überdrucktherapie, Sauerstofftherapie oder Inhalationen) berücksichtigt werden. Die resultierenden Empfehlungen wurden in einem Positionspapier (s. u.) im Sommer 2020 publiziert.

Präsentationen, Publikationen und Stellungnahmen

In Ergänzung zu einer Stellungnahme der Sektion 5 (Positionspapier der DGP zur praktischen Umsetzung der apparativen Differenzialtherapie der akuten respiratorischen Insuffizienz bei COVID-19, M. Pfeifer et al., Pneumologie 2020, …) wurde nach eingehender gemeinsamer Diskussion zusammen mit der DGSM und unter Miteinbeziehung des BdP ein Positionspapier zur „Diagnostik und Therapie schlafbezogener Atmungsstörungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie“ entwickelt und in der „Pneumologie“ und „Somnologie“ publiziert.

Im Rahmen des Delphi-Prozesses Beteiligung an der Abstimmung der S3-Leitlinie „Nicht-erholsamer Schlaf/Schlafstörungen – Schlafbezogene Atmungsstörungen bei Erwachsenen“. Einige Mitglieder der Sektion haben Teile dieser Leitlinie als Autoautoren mit verfasst.

Stellungnahme des DGP und BdP zur Konsultationsfassung der Leitlinie „Schnarchen bei Erwachsenen: Diagnostik und Therapie“ der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V. (DGHNOKHC).

Mitwirkung beim aktualisierten Positionspapier der Arbeitsgemeinschaft Schlafmedizin der DGHNO-KHC: „Die Stimulation des Nervus hypoglossus in der Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe“ (2020).

Stellungnahmen im Rahmen von Bewertungsverfahren des Gemeinsamen Bundesausschlusses, u. a. zu Schlafpositionstherapie POSA (2021) und Unterkieferprotrusionsschiene bei OSA (2020/2021), GBA-Anhörung 07/2020, DGSM-Stellungnahme zur vertrags(-zahn-)ärztlichen Verantwortung und Klassifizierung als Hilfsmittel (05/2021).

Virtueller DGP-Talk am 10. März 2021 (Moderation durch YoungDGP) zur schlafmedizinischen Versorgung während der Corona-Pandemie.

Ziel der Sektion bleibt es ferner, in Diskussionsforen vermehrt neue wissenschaftliche Projekte auszuarbeiten und auf künftigen Kongressen zu präsentieren. Die Arbeit der Projektgruppe „Kontroversen und Perspektiven in der Schlafmedizin“ mit dem Ziel einer Publikation bzw. Publikationsserie wird fortgesetzt.

Ausblick

Die Schlafmedizin sieht sich durch den zunehmenden ökonomischen Druck der Kostenträger und eine unsichere Versorgungs- und Vergütungssituation weiterhin großen Problemen gegenüber, die eine qualitativ ausreichende Betreuung der Patienten aber auch eine adäquate Weiterbildung schlafmedizinisch qualifizierter Ärzte in Zukunft gefährden. Beflügelt wird diese Debatte durch neue Studienergebnisse, die bei unkritischer Betrachtung den protektiven Nutzen der OSA-Therapie z. B. in Hinblick auf die Symptomatik, Lebensqualität und die allgemeine und kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität in Frage stellen. Aktuelle epidemiologische Studien zeigen jedoch eine überraschend hohe Prävalenz der Schlafapnoe in der Gesamtbevölkerung, bspw. haben beinahe die Hälfte der Männer einen AHI > 15/h. Nach den derzeitig gültigen Leitlinien bedeutet dies immer noch ungeachtet der Symptome eine Therapieindikation. Andererseits konnten wir in den vergangenen Jahren feststellen, dass die pathophysiologischen Grundlagen (Endotypen) und die klinischen Erscheinungsformen (Phänotypen) der Schlafapnoe weitaus komplexer sind als bisher angenommen, mit daraus resultierenden differenzierten und individualisierten Therapieoptionen, die eine ganzheitliche schlafmedizinische Bewertung zwingend erfordern. Die wichtigste Zielsetzung für die kommenden Jahre bleibt daher eine intensive Diskussion und Aufarbeitung dieser Aspekte mit dem Ziel, neue Wege der schlafmedizinischen Versorgung für die Umsetzung im klinischen Alltag aufzuzeigen.

PD Dr. med. Nikolaus Büchner, Duisburg,
Dr. med. Holger Woehrle, Ulm



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Publication Date:
09 August 2021 (online)

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