Handchir Mikrochir Plast Chir 2021; 53(03): 334
DOI: 10.1055/a-1475-5827
Leserbrief

Antwort zum Leserbrief zur Arbeit von Karsten Knobloch. Extrakorporale Magnetotransduktionstherapie (EMTT) und hochenergetische fokussierte elektromagnetische extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) zur Knochenstimulation bei metakarpaler Pseudarthrose – ein Fallbericht. Handchir Mikrochir Plast Chir 2021; 53: 82–86

Sehr geehrte Herausgeber,

ich darf mich für die Gelegenheit der Schriftleitung bedanken, den Leserbrief zu meinem Fallbericht einer metakarpalen Pseudarthrose kurz zu kommentieren. Ich stimme mit dem Kommentierenden überein, dass der geschilderte Fall der metakarpalen Frakturversorgung im berufsgenossenschaftlichen Heilverfahren ob der Wahl der Osteosynthesetechnik trefflich zu diskutieren ist. Die offene Reposition mit Low-profile-Plattenosteosynthese zeigt in einer kürzlich veröffentlichten retrospektiven Arbeit [1] bei 110 metakarpalen Frakturen eine Komplikationsrate von 10 % mit 1 % Pseudarthrose. Die antegrade Kirschnerdrahtosteosynthese vom niedergelassenen D-Arzt war suboptimal. Auch die folgende Plattenosteosynthese mit nicht-vaskularisiertem Beckenkammspan hätte von mehr gefassten Corticales mit einer längeren Gitterplatte vermutlich profitiert. Dieser Fall zeigt leider die handchirurgische Versorgungsrealität auf, was aus einer „einfachen“ metakarpalen Fraktur mit entsprechenden Arbeitsausfalltagen bis zur Pseudarthrosenoperation in der Summe entstehen mag.

Dies zeigt Parallelen zur Fehlertheorie, die u. a. durch das Modell des Schweizer Käse nach dem englischen Psychologen James Reason [2] u. a. in der Avionik wie auch in die Krankenhäuser Eingang fand. Dieses Denkmodell geht davon aus, dass aus einer Gefahr (hier Pseudarthrosenbildung) nur dann ein unerwünschtes Ereignis (in der Avionik der Unfall) entstehen kann, wenn Löcher entstehen, weil die dazwischen liegenden Sicherheitsbarrieren überwunden werden. Diese Löcher könnten durch aktives (Fehler und Verstöße) wie auch latentes Versagen (durch Entscheidungen auf höherer Ebene) entstehen und können durch beitragende Faktoren beeinflusst werden, wie auch über die Zeit dynamisch sein. Das Fehlermanagement unterscheidet daher auch eine personenorientierte Sichtweise, wo nur der Einzelne gerügt wird, von der systemorientierten Perspektive, wo die Critical-Incident-Reporting-Systeme (CIRS) eine Rolle in der Analyse der Ereignisse darstellen.

Ich danke dem Autor des Leserbriefes wie auch der Schriftleitung für diese Korrespondenz.

Prof. Dr. Karsten Knobloch, FACS

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Publication Date:
16 June 2021 (online)

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