AkupunkturPraxis 2021; 02(02): 125-126
DOI: 10.1055/a-1404-0107
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Akupunktur und Elektroakupunktur bei subakromialem Schmerzsyndrom: eine randomisierte multizentrische Studie

Lewis J, Sim J, Barlas P. Acupuncture and electro-acupuncture for people diagnosed with subacromial pain syndrome: A multicentre randomized trial. Eur J Pain 2017; 21(6): 1007–1019

Muskel- und Skeletterkrankungen wurden weltweit als das zweithäufigste Gesundheitsproblem identifiziert, welches für Jahre mit Behinderung verantwortlich ist [1]. Schulterschmerzen gehören zu den dritthäufigsten Beschwerdebildern im orthopädischen Alltag, insbesondere Impingementsyndrome. Anhand der genauen Lokalisation der Einklemmung werden 4 Impingementformen unterschieden: das am häufigsten vorkommende subakromiale (äußere), das subkorakoidale sowie das seltene posteriosuperiore innere und anteriosuperiore innere Impingement. Physiotherapie und Akupunktur werden oft als Erstbehandlung verordnet. Die therapeutische Wirksamkeit für Akupunktur bei Schulterschmerzen ist dabei noch nicht ausreichend wissenschaftlich belegt.

In dieser kontrollierten Studie wurden 227 Teilnehmer mit subakromialem Schmerzsyndrom in 3 Gruppen randomisiert. Alle 3 Gruppen erhielten 6 wöchentliche physiotherapeutische Gruppenübungen über 50 Minuten, in einer Gruppe erhielten sie zusätzlich 6 Akupunkturbehandlungen über 3 Wochen à 30 Minuten und in der 3. Gruppe zusätzlich 6 Elektroakupunkturbehandlungen über 3 Wochen à 30 Minuten. Je nach klinischer Ausprägung gab es 3 verschiedene Behandlungsprotokolle: anterolaterale, posterolaterale oder Schulterschmerzen ohne besondere Lokalisation [Tab. 1]. Die Nadeln wurden entweder alle 3–5 Minuten manuell manipuliert oder an den elektrischen Stimulator angeschlossen. Eine genaue Frequenz wurde von den Autoren nicht angegeben. Der primäre Zielparameter war der Oxford Shoulder Score zum Zeitpunkt 6 Monate nach Studienbeginn, weitere Outcomes waren der Oxford Shoulder Pain, der Shoulder Pain and Disability Index (SPADI), die Range of Motion beider Schultern sowie Nachtschmerz und Analgetikakonsum zu den Zeitpunkten direkt nach Behandlung (6. Woche) sowie 6 Monate und 12 Monate nach Studienbeginn. Verblindet waren nur die Untersucher der Schulterfunktion.

Tab. 1

Akupunkturprotokolle der Studie je nach Lokalisierung der Schmerzausstrahlung.

anterolaterale Schulterschmerzen

posterolaterale Schulterschmerzen

Schulterschmerzen ohne besondere Lokalisation

lokale Punkte

3E 14, Di 15, Di 14, Di 10, Lu 2, Gb 21

3E 14, Di 15, Gb 21, Dü 9, Dü 10, Dü 11

3E 14, Di 15, Dü 9, Dü 10, Dü 11, Gb 21

Triggerpunkt (TP)

anteriorer TP M. deltoideus

posteriorer TP M. deltoideus

TP M. pectoralis major

distale Punkte obere Extremität

Di 4, 3E 5

Dü 3, Di 4, 3E 5

Di 4, 3E 5

distale Punkte untere Extremität

Ma 36, Ma 38

Ma 36, Ma 38

Ma 36, Ma 38

Zwar gab es über alle Gruppen eine Tendenz zur Besserung, aber in keinem Zielparameter und zu keinem Zeitpunkt der Follow-ups unterschieden sich die Gruppen signifikant voneinander [Abb. 1]. Es gab eine nicht signifikante Tendenz zur geringeren Analgetikaeinnahme in der Gruppe mit Physiotherapie allein. Eine relativ hohe Anzahl von Teilnehmern brach die Studie im Verlauf ab: während der Behandlungsphase 17 von 73 in der Physiotherapiegruppe und jeweils 9 von 77 in den Akupunkturgruppen, zum 6-Monats-Follow-up (primärer Zielparameter) fehlten bereits 48 von 227 Teilnehmern. Die Angaben zu den Nebenwirkungen blieben demnach auch unvollständig. Um die fehlenden Daten zu berücksichtigen, wurden 15 multiple importierte Datensätze generiert und mit dem ITT-Protokoll (Intention-to-Treat) berechnet.

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Abb. 1 Mittlerer Oxford Shoulder Score über alle Zeitpunkte für Physiotherapie allein, Akupunktur plus Physiotherapie und Elektroakupunktur plus Physiotherapie. Quelle: [5]


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Publication Date:
17 May 2021 (online)

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