Klin Monbl Augenheilkd
DOI: 10.1055/a-1396-4420
Der interessante Fall

Seltene extramedulläre Manifestation einer akuten myeloischen Leukämie – myeloides Sarkom der Orbita

Rare Extramedullary Manifestation of Acute Myeloic Leucemia – Myeloid Sarcoma of the Orbit
1  Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Münster, Deutschland
,
Wolfgang Hartmann
2  Sektion für Translationale Pathologie, Gerhard-Domagk-Institut für Pathologie, Universitätsklinikum Münster, Deutschland
,
Ulrike H. Grenzebach
1  Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Münster, Deutschland
,
Nicole Eter
1  Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Münster, Deutschland
,
Natasa Mihailovic
1  Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Münster, Deutschland
3  Klinik für Augenheilkunde, Klinikum Fulda, Universität Marburg, Campus Fulda, Deutschland
› Institutsangaben

Anamnese

Eine 37-jährige kaukasische Patientin wurde spät abends vom Notdienst mit der Diagnose einer Lidphlegmone zu uns überwiesen. Die Symptome hätten vor 2 Tagen mit einer leichten temporalen Oberlidschwellung begonnen, in den letzten 24 h hätten sich der Befund und der Allgemeinzustand allerdings extrem verschlechtert. Bei Eintreffen der Patientin in unserer Klinik zeigte sich rechtsseitig ein massiv geschwollenes, überwärmtes, gerötetes und druckdolentes Oberlid sowie eine deutliche Chemosis. Der Allgemeinzustand der Patientin war so schlecht, dass keine bestkorrigierte Visusprüfung erfolgen konnte. Der unkorrigierte Visus bei bekannter Emmetropie betrug am betroffenen rechten Auge 0,32. Weitere Untersuchungen inkl. Pupillenfunktionsprüfung und Funduskopie wurden von der Patientin abgelehnt und nicht durchgeführt. Die Motilität wirkte beidseits deutlich eingeschränkt, ließ sich jedoch nicht aktiv prüfen. Wir erhoben aufgrund des deutlich reduzierten Allgemeinzustands die Vitalparameter, der Blutdruck lag bei 109/74 mmHg, die Herzfrequenz bei 103/min, die Temperatur betrug 38,1 °C. Vor 1 Jahr war die Diagnose einer akuten myeloischen Leukämie (AML) gestellt worden. Vor 5 Monaten war eine allogene Stammzelltransplantation durchgeführt und aufgrund eines vor 1 Monat diagnostizierten Rezidivs eine zytoreduktive Therapie mit Hydroxyurea und eine Rezidivchemotherapie mit 1 Zyklus Ifosfamid, Carboplatin, Etoposid (ICE) eingeleitet worden. Zum Zeitpunkt der Vorstellung in der Augenklinik stand die Patientin kurz vor der 2. Stammzelltransplantation. Aufgrund der chemotherapeutischen Behandlung bestand bereits eine systemische antibiotische, antivirale und antimykotische Therapie mit Ciprofloxacin, Aciclovir, und Voriconazol per os.



Publikationsverlauf

Eingereicht: 06. September 2020

Angenommen: 15. Februar 2021

Publikationsdatum:
14. April 2021 (online)

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