Aktuelle Rheumatologie
DOI: 10.1055/a-1371-1338
Originalarbeit

Wie häufig sind unkomplizierte Infektionen in der ambulanten Rheumaversorgung? Ergebnisse einer Befragung von Patienten mit rheumatischen Erkrankungen

How Frequent are Non-Serious Infections in Rheumatological Outpatient Care? Results of a Survey Among Patients with Rheumatic Diseases
Benjamin Tschirschwitz
1  Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie, Städtisches Klinikum Dresden, Dresden, Deutschland
,
Gernot Keyßer
2  Department für Innere Medizin, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II, Universitätsklinikum Halle (Saale), Halle (Saale), Deutschland
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Zusammenfassung

Hintergrund Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen haben ein erhöhtes Infektionsrisiko. Nicht nur die Erkrankung selbst, sondern auch die antirheumatische Therapie spielt dabei eine wichtige Rolle. Ziel dieser Arbeit war die Untersuchung der Häufigkeit unkomplizierter Infektionen und die Suche nach einem möglichem Underreporting derartiger Ereignisse. Geklärt werden sollte die Sichtweise der Patienten in Bezug auf das Infektionsrisiko sowie die Frage, ob unterschiedliche Therapien im klinischen Alltag messbar zu unterschiedlichen Infektionsraten führen.

Material und Methoden Zwischen 2013 und 2014 erfolgte im Raum Halle-Leipzig eine anonymisierte Patientenbefragung von 590 ambulant betreuten Patienten mit einer mindestens 2 Jahre andauernden rheumatologischen Erkrankung.

Ergebnisse Die Rate beantworteter Fragebögen betrug 78%. Daten von 432 Patienten (68% weiblich; Durchschnittsalter 55±14 Jahre) wurden ausgewertet (48% rheumatoide Arthritis). 66% der Patienten berichteten durchschnittlich 2 unkomplizierte Infektionen pro Jahr. Am häufigsten traten Atemwegsinfektionen auf (40%). 82% der Infektionen wurden ärztlich behandelt, davon jede fünfte von einem Rheumatologen. Mindestens 12% aller Infektionen wurden nicht ärztlich erfasst. Eine Biologica-Therapie erhöhte weder die Häufigkeit noch den Schweregrad von unkomplizierten Infektionen signifikant, verglichen mit konventionellen DMARDs. Die Mehrheit der Patienten unter bDMARDs sahen in dieser Therapie keine Nachteile. 58% verneinten, durch die Einnahme von Biologica häufiger unter Infektionen zu leiden. Mehr als 60% der Patienten sahen keinen Zusammenhang zwischen den Infektionen und ihrer aktuellen Medikation. Lediglich 16% der Patienten hielten eine erhöhte Infektanfälligkeit für bedenklich.

Schlussfolgerung Unkomplizierte Infektionen sind bei ambulant betreuten Rheumatikern häufig, verursachen aber offenbar wenig Probleme. Infektionen spielen im Bewusstsein der Patienten im Vergleich zu anderen unerwünschten Nebenwirkungen nicht die wichtigste Rolle. Ein vermehrtes Auftreten von unkomplizierten Infektionen unter bDMARDs konnte nicht gezeigt werden.

Abstract

Background Patients with inflammatory rheumatic diseases have an increased risk of infection, and not only the disease itself, but also the anti-rheumatic therapy play an important role. The aim of this study was to investigate the frequency of non-serious infectious events and to search for possible underreporting of these episodes. In addition, the patients’ view on the risk of infection was of special interest, as well as the question of whether different therapies lead to different infection rates in daily clinical routine.

Material and methods Between 2013 and 2014, an anonymous survey of 590 outpatients with rheumatological diseases persisting for at least 2 years was conducted in the region Halle-Leipzig.

Results 78% of the patients answered the survey. Data of 432 patients (68% female; mean age 55±14 years) were analysed (48% rheumatoid arthritis). 66% of the patients reported an average of 2 non-serious infectious events per year. Respiratory infections were most frequent (40%). 82% of the infections were treated medically, one fifth by a rheumatologist. At least 12% of all infections were not reported to a physician. Biologicals did not increase the frequency or severity of non-serious infections to a significant extent, compared with conventional DMARD. The majority of patients receiving bDMARDs saw no disadvantages with this therapy. 58% of them denied that they had to suffer from infections more frequently. More than 60% of the patients did not assume a relationship between the infections and their current medication. Merely 16% of the patients raised concerns over increased susceptibility to infections.

Conclusion Non-serious infections are frequent in the outpatient care of patents with rheumatic diseases, but they are not a significant problem. From the patient’s perspective, infections do not seem to play the most important role compared to other adverse events. An increased incidence of non-serious infectious events among bDMARD users was not obvious in our study.



Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
29. März 2021 (online)

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