Diabetologie und Stoffwechsel 2021; 16(02): 141-148
DOI: 10.1055/a-1347-0895
Originalarbeit

Transition von Jugendlichen mit Diabetes in die Erwachsenenbetreuung – eine Expertenbefragung

Transition of Adolescents with Diabetes into Adult Care – An Expert Survey
1  Klinik für Allgemeine Pädiatrie, Neonatologie und Kinderkardiologie, Universitätsklinikum Düsseldorf, Germany
,
Christina Reinauer
1  Klinik für Allgemeine Pädiatrie, Neonatologie und Kinderkardiologie, Universitätsklinikum Düsseldorf, Germany
,
2  Diabetes-Zentrum für Kinder und Jugendliche, AUF DER BULT, Kinder- und Jugendkrankenhaus, Hannover, Germany
,
Marcelus Jivan
3  Diabeteszentrum, Zentrum des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschlands (CJD e. V.), Berchtesgaden, Germany
,
Jutta Wendenburg
4  Kinderdiabetologische Schwerpunktpraxis, Gemeinschaftspraxis für Kinder und Jugendliche, Jena, Germany
,
Christof Klinkert
5  Diabetesschwerpunktpraxis, Gemeinschaftspraxis für Kinder- und Jugendmedizin, Herford, Germany
,
Thomas Michael Kapellen
6  „Am Nicolausholz“, MEDIAN Kinderklinik, Bad Kösen, Germany
,
Silvia Müther
7  Diabeteszentrum für Kinder und Jugendliche, DRK Kliniken Berlin Westend, Berlin, Germany
,
Thomas Meissner
1  Klinik für Allgemeine Pädiatrie, Neonatologie und Kinderkardiologie, Universitätsklinikum Düsseldorf, Germany
› Author Affiliations

Zusammenfassung

Einleitung Der Transitionsprozess für Jugendliche mit chronischen Erkrankungen ist vielerorts noch ungeregelt, eine fachärztliche Weiterbetreuung ist oftmals nicht gesichert. Ziel der Studie war es, das derzeitige Vorgehen und mögliche Defizite bei der Transition von Jugendlichen mit Diabetes zu evaluieren und das Interesse und die Bereitschaft zur flächendeckenden Einführung von strukturierten Transitionsprogrammen in Deutschland zu erfragen.

Methode Eine anonymisierte Onlinebefragung der Mitglieder der „Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie e. V.“ (AGPD) wurde im Zeitraum von Oktober 2019 bis April 2020 durchgeführt.

Ergebnisse 60 der 492 über den strukturierten E-Mail-Newsletter kontaktierten Mitglieder der AGPD nahmen an der Befragung teil. 81,1 % der Studienteilnehmer gaben an, die Transition im Rahmen von regulären Ambulanzterminen mit den Patienten zu besprechen. 25,8 % nutzen ein intern erarbeitetes oder extern unterstütztes strukturiertes Transitionsprogramm. Die Befragten schätzen, dass 50 % der Patienten eine intensive Unterstützung bei der Transition benötigen und 20 % im Transitionsprozess den Kontakt zur spezialisierten medizinischen Betreuung verlieren. Fast alle Befragten (91,4 %) sahen Verbesserungsbedarf im aktuellen Transitionsprozedere. Im Vordergrund stehen dabei insbesondere eine engere Zusammenarbeit von Kinderdiabetologen und Erwachsenendiabetologen, die Einführung eines strukturierten, standardisierten Vorgehens sowie eine Optimierung der Vorbereitung und Motivation der Jugendlichen. Die Einführung von strukturierten Transitionsprogrammen mit externer Unterstützung wird von der überwiegenden Zahl der Befragten als dringend notwendig (27,6 %) bzw. wichtig (41,4 %) bewertet.

Schlussfolgerung Die Nutzung standardisierter strukturierter Transitionsprogramme in der Behandlung von Jugendlichen mit Diabetes ist in Deutschland bisher noch gering, aber notwendig, um eine kontinuierliche fachärztliche Betreuung zu gewährleisten. Die flächendeckende Einführung geeigneter und finanzierter Programme kann den Transitionsprozess und damit auch das langfristige Outcome der Patienten verbessern. Gerade in der Umbruchphase der Adoleszenz ist ein zuverlässiger Ansprechpartner erforderlich, der die Übernahme der Selbstverantwortung für den Diabetes begleitet.

Abstract

Introduction The process of transition to adult health care in chronic diseases is currently unregulated in Germany and continuous expert treatment in adulthood is not guaranteed. The aim of this study was to evaluate the current approach and problems in the transition of adolescence from pediatric to adult diabetes care and the general consensus on nationwide introduction of structured transition programs in Germany.

Methods An anonymous online survey of the members of the pediatric diabetology consortium (AGPD) was conducted between October 2019 and April 2020.

Results 60 of 492 members of the AGPD participated in the survey. 81.1 % stated that they discussed the transition with patients during regular outpatient appointments. 25.8 % used an internal or externally supported structured transition program. The respondents estimated that 50 % of patients need intensive support during transition and 20 % lose contact with specialized medical care during the transition process. Almost all respondents (91.4 %) see a need to improve the transition process. Improvement options are particularly seen in the cooperation between pediatric and adult care, introduction of a structured, standardized procedure, and preparation and motivation of the adolescent patients. The introduction of structured transition programs with external support is rated as either urgent (27.6 %) or important (41.4 %) by most of the study participants.

Conclusions The use of standardized structured transition programs for adolescents with diabetes is still low in Germany, but necessary to ensure continuous specialist medical care. The nationwide introduction of suitable and funded programs can improve the transition process and thus the long-term outcome of patients. Especially in the transition phase of adolescence, a reliable partner is needed to guide the acceptance of personal responsibility for diabetes.



Publication History

Received: 10 November 2020

Accepted: 05 January 2021

Publication Date:
26 February 2021 (online)

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