CC BY-NC-ND 4.0 · Geburtshilfe Frauenheilkd 2021; 81(01): 70-80
DOI: 10.1055/a-1308-2341
GebFra Science
Review/Übersicht

Ambulante Geburtseinleitung – sind Ballonkatheter eine geeignete Methode?

Article in several languages: English | deutsch
Werner Rath
1  Medizinische Fakultät, Gynäkologie und Geburtshilfe, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, Kiel, Germany
,
Patrick Stelzl
2  Universitätsklinik für Gynäkologie, Geburtshilfe und Gynäkologische Endokrinologie, Kepler Universitätsklinikum, Johannes Kepler Universität Linz, Linz, Austria
,
Sven Kehl
3  Frauenklinik, Universitätsklinikum Erlangen, Erlangen, Germany
› Author Affiliations

Zusammenfassung

Mit der steigenden Rate an Geburtseinleitungen in den Industrieländern steigen auch die Krankenhauskosten und die Mehrbelastung des geburtshilflichen Personals. Daher kommt der ambulanten Geburtseinleitung zunehmende Bedeutung zu. Schätzungsweise sind 20 – 50% aller Schwangeren mit Notwendigkeit zur Geburtseinleitung für ein ambulantes Vorgehen geeignet. Die Anwendung von Ballonkathetern bei unreifer Zervix ist eine effektive und sichere Methode zum Zervixpriming. Die Vorteile gegenüber lokal appliziertem Prostaglandin E2 und oralem Misoprostol liegen bei vergleichbarer Effizienz vor allem in der Vermeidung uteriner Überstimulierungen und dem geringeren Überwachungsaufwand. Ballonkatheter stellen daher eine geeignete Option zur ambulanten Zervixreifung dar. Allerdings ist zur Weheninduktion/-verstärkung in durchschnittlich 75% der Fälle Oxytocin intravenös erforderlich. Ein höheres Infektionsrisiko für Mutter und Kind im Vergleich zu vaginalem Prostaglandin E2 besteht nicht. Geeignet zum ambulanten Zervixpriming mit dem Ballonkatheter sind vor allem Schwangere mit niedrigem Risiko (z. B. Terminüberschreitung, Gestationsdiabetes). Bei Hochrisikoschwangeren ist die Datenlage unzureichend. Wichtige Voraussetzungen für ein ambulantes Vorgehen sind: strenge Selektion geeigneter Schwangerer (Einlingsschwangerschaft, Schädellage, intakte Fruchtblase), ein CTG-Monitoring 20 – 40 Minuten nach der Einlage, Instruktionen an die Schwangere hinsichtlich der Notwendigkeit zur umgehenden Wiedervorstellung in der Klinik sowie die Gewährleistung eines 24-Stunden-Kontakts zur Klinik. Die Liegedauer des Ballonkatheters lag in Studien zwischen ca. 12 Stunden („über Nacht“) und 24 Stunden und bis zu 24 Stunden. Der häufigste Grund für eine Wiederaufnahme in die Klinik war die Expulsion des Ballonkatheters. Die Vorteile einer ambulanten versus einer stationären Zervixreifung mit Ballonkathetern sind die signifikant kürzere Hospitalisierungsdauer, die niedrigeren Kosten und die hohe Zufriedenheit der Schwangeren bei vergleichbarer Effizienz beider Vorgehensweisen. Die Komplikationsrate (z. B. vaginale Blutungen, starke Schmerzen, uterines Hyperstimulationssyndrom) während der Zervixreifungsphase ist gering (0,3 – 1,5%), schwere Komplikationen (z. B. vorzeitige Plazentalösung) wurden nicht beobachtet. Im Vergleich zur stationären Geburtseinleitung mit vaginalem PGE2 war mit Ballonkathetern die Rate vaginaler Geburten/24 Stunden geringer und die Notwendigkeit zur Oxytocin-Gabe signifikant höher, allerdings die Hospitalisierungsdauer signifikant kürzer, die Häufigkeit an Schmerzen während der Zervixreifungsphase signifikant geringer und die Schlafdauer der Schwangeren länger. Von klinischem Interesse wäre eine randomisierte kontrollierte Studie zum Vergleich von ambulantem Zervixpriming mit Ballonkathetern versus einer ambulanten oder stationären Geburtseinleitung mit oralem Misoprostol.



Publication History

Received: 25 April 2020

Accepted after revision: 06 November 2020

Publication Date:
19 January 2021 (online)

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