Laryngorhinootologie 2021; 100(01): 12-14
DOI: 10.1055/a-1307-3872
Leitlinien und Empfehlungen

Gibt es eine neue Kopfspeicheldrüse? – Eher nicht!

Is there a new salivary gland? – Rather not!
Orlando Guntinas-Lichius
1   Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Universitätsklinikum Jena
,
Stephan Ihrler
2   Labor für Dermatohistologie und Oralpathologie, München
,
Martin Freesmeyer
3   Klinik für Nuklearmedizin, Universitätsklinikum Jena
,
Falk Gühne
3   Klinik für Nuklearmedizin, Universitätsklinikum Jena
,
Regine Kluge
4   Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, Universitätsklinikum Leipzig
,
Lars Bräuer
5   Institut für Funktionelle und Klinische Anatomie, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
,
Heinrich Iro
6   Hals-, Nasen- und Ohrenklinik, Kopf- und Halschirurgie, Universitätsklinikum Erlangen
,
Friedrich Paulsen
5   Institut für Funktionelle und Klinische Anatomie, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
,
Andreas Dietz
7   Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Universitätsklinikum Leipzig
,
Ingo Bechmann
8   Institut für Anatomie, Universität Leipzig
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Zusammenfassung

Im Oktober 2020 vermeldeten die Laienpresse, aber auch einige medizinische Journale und Internetseiten, die angebliche Entdeckung einer neuen Speicheldrüse im Nasenrachen ausgehend von Positronen-Emissions-Tomografie-Computertomografie-Untersuchungen mit Liganden für das Prostata-spezifische Membranantigen (PSMA-PET/CT). Als interdisziplinäre Gruppe aus den Fachbereichen Anatomie, Pathologie, Nuklearmedizin und HNO-Heilkunde kommen wir zu der Ansicht, dass hier eine Anhäufung von kleinen Speicheldrüsen beschrieben wird. Kleine Speicheldrüsen im Nasenrachen und peritubar sind mindestens seit 1866 bekannt und immer wieder in der Literatur und in Lehrbüchern beschrieben. Das PSMA-PET/CT könnte aber geeignet sein, bei einer Bestrahlungsplanung funktionell relevante Anhäufungen von Schleimhautspeicheldrüsen, wie beispielsweise im Bereich des Nasenrachens, besser darzustellen und zu schonen. Dies sollte in klinischen Studien geprüft werden.

Abstract

In October 2020, the lay press, but also some medical journals and websites reported the putative discovery of a new salivary gland in the nasopharynx based on prostate-specific membrane antigen positron emission tomography computed tomography (PSMA-PET/CT) examinations. As an interdisciplinary group from the fields of anatomy, pathology, nuclear medicine and otorhinolaryngology, we come to the view that an accumulation of minor salivary glands has been described here. Minor salivary glands in the nasopharynx and in the peritubar region have been described at least since 1866. The current description in PSMA-PET/CT does not justify the definition of a new, independent salivary gland. The PSMA-PET/CT could, however, be suitable to better protect salivary glands in the nasopharynx when planning radiation therapy. This should be evaluated in clinical trials.



Publication History

Article published online:
16 November 2020

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