Frauenheilkunde up2date 2021; 15(03): 279-291
DOI: 10.1055/a-1305-0083
Interdisziplinäre Themen

Kinder- und jugendgynäkologische Notfälle

Constanza A. Pontones
,
Hannah Lubrich
,
Patricia G. Oppelt

Die Kinder- und Jugendgynäkologie umfasst ein weites Spektrum der Gynäkologie und pädiatrischen Endokrinologie. Die Mädchen und Adoleszentinnen werden hierfür in speziell angebotenen Sprechstunden betreut. Immer wieder jedoch werden die Patientinnen wegen akuter Beschwerden auch außerhalb dieser Sprechstunden vorstellig. Von diesen sollen im Folgenden einige näher beleuchtet werden.

Kernaussagen
  • Neben den Notfällen in der Gynäkologie und Geburtshilfe gibt es auch in der Kinder- und Jugendgynäkologie Notfälle, die beispielsweise durch Blutungen oder Schmerzen imponieren können. Besonders wichtig bei der Behandlung von Mädchen und Jugendlichen ist das Vertrauensverhältnis zwischen behandelndem Arzt und Patientin.

  • Ein besonders häufiger notfallmäßiger Vorstellungsgrund ist das Jucken und Brennen im Bereich des äußeren Genitales. Besonders häufig ist hier die unspezifische Vulvovaginitis, die in der Regel durch intravaginale Estriol-Gaben und Beratung zur Genitalhygiene therapiert werden kann.

  • Bei präpubertären Mädchen liegen abdominellen Schmerzen oder Symptomen besonders häufig urologische oder gastrointestinale Ursachen zugrunde, jedoch sollte differenzialdiagnostisch auch immer eine mögliche Ovarialtorsion mitbedacht werden.

  • Bei Verdacht auf eine Ovarialtorsion sollte zügig eine operative Detorquierung erfolgen, wenn möglich minimalinvasiv mittels Laparoskopie.

  • Bei akuten Verletzungen des äußeren Genitales sind meistens konservative Maßnahmen ausreichend. Im Falle einer nicht adäquat durchführbaren körperlichen Untersuchung, blutender oder tiefer Verletzungen oder im Falle von Pfählungsverletzungen sollte eine Untersuchung und Versorgung der Verletzung in Vollnarkose erfolgen, um dem Mädchen unnötige Traumata zu ersparen. Der sexuelle Missbrauch muss differenzialdiagnostisch immer ausgeschlossen werden.

  • Die Möglichkeit einer Notfallkontrazeption über die Apotheke sollte mit Jugendlichen spätestens bei Erstverordnung von Kontrazeption besprochen werden. Hier ist eine ausführliche Aufklärung über die verschiedenen möglichen Methoden erforderlich. Als Mittel der Wahl sollte Ulipristalacetat, idealerweise so schnell wie möglich, jedoch spätestens 5 Tage nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr, verwendet werden.

  • Stellen sich Mädchen mit einer zyklusunabhängigen anhaltenden Blutung im Jugendalter vor, handelt es sich um eine juvenile Dauerblutung. Das vorrangige Ziel ist es, die Blutung zu stoppen und den Hämoglobinwert durch den Einsatz eisenhaltiger Präparate zu stabilisieren.



Publication History

Publication Date:
11 June 2021 (online)

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