CC BY-NC-ND 4.0 · Geburtshilfe Frauenheilkd 2021; 81(01): 61-69
DOI: 10.1055/a-1295-0752
GebFra Science
Review/Übersicht

17-Hydroxyprogesteroncaproat zur Prävention der wiederholten Frühgeburt – systematische Übersicht und Metaanalyse unter Berücksichtigung des PROLONG-Trials

Article in several languages: English | deutsch
Ruben-J. Kuon
1  Universitätsklinikum Heidelberg, Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen, Frauenklinik, Heidelberg, Germany
,
Richard Berger
2  Marienhausklinikum, Frauenklinik, Neuwied, Germany
,
Werner Rath
3  Medizinische Fakultät Gynäkologie und Geburtshilfe, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, Kiel, Germany
› Author Affiliations

Zusammenfassung

Hintergrund Die vorangegangene spontane Frühgeburt gilt als starker Risikofaktor für eine erneute Frühgeburt in der Folgeschwangerschaft und wurde in Präventionsstudien mit Progesteron (natürliches Progesteron oral oder vaginal, sowie 17-Hydroxyprogesteroncaproat [17-OHPC]) als Selektionskriterium evaluiert. Basierend auf einer randomisierten, placebokontrollierten Studie wurde 17-OHPC 2011 von der Food and Drug Administration in den USA zur Prävention der wiederholten Frühgeburt zugelassen mit der Vorgabe einer folgenden konfirmatorischen Studie, die soeben publiziert wurde (PROLONG-Trial).

Methode Es wurde eine systematische Literaturrecherche des Zeitraumes 1970 bis April 2020 mit den Suchbegriffen Frühgeburt und 17-OHPC oder Progesteron durchgeführt. Eingeschlossen in die folgende Metaanalyse wurden nur randomisierte, placebokontrollierte Studien bei Frauen mit Einlingsschwangerschaft, die 17-OHPC zur Prävention der wiederholten Frühgeburt erhielten. Das relative Risiko und die dazu gehörigen 95%-Konfidenzintervalle wurden berechnet. Die Heterogenität zwischen den Studien wurde mit der I2-Statistik bewertet.

Ergebnisse Neben der Studie, die zur Zulassung führte und dem PROLONG-Trial, liegt lediglich eine weitere Studie vor, die die Einschlusskriterien erfüllt (Gesamtzahl der Patientinnen: 2221). Bei erheblicher Heterogenität zwischen den Studien vor allem bezüglich der Risikofaktoren für Frühgeburt zeigte sich beim Vergleich von 17-OHPC versus Placebo keine signifikante Reduktion der Frühgeburtenraten vor 37, 35 und 32 SSW sowie keine signifikanten Unterschiede bezüglich der Häufigkeit an Fehlgeburten vor 20 SSW und fetalen Toden (antepartal oder intrapartal) nach 20 SSW und der neonatalen Morbidität.

Schlussfolgerung Nach derzeitiger Datenlage kann 17-OHPC nicht zur Prävention der wiederholten Frühgeburt empfohlen werden. Weitere randomisierte, placebokontrollierte Studien mit klar definierten vergleichbaren Risikofaktoren sind erforderlich, um die Schwangeren zu identifizieren, die von der Prävention mit 17-OHPC profitieren könnten.



Publication History

Received: 28 June 2020

Accepted after revision: 18 October 2020

Publication Date:
19 January 2021 (online)

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