Klinische Neurophysiologie 2020; 51(04): 231
DOI: 10.1055/a-1278-0724
Leserbrief

Leserbrief zum Neuro-Quiz „18-jähriger Patient mit rezidivierenden tonisch-klonischen Anfällen?“, Klinische Neurophysiologie 2020; 51: 89–90

Detlef Stein
1  Ilm-Kreis-Kliniken, Arnstadt-Ilmenau gGmbH, Anstadt
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Sehr geehrter Herr Kollege,

leider muss ich Ihnen bei Ihrem Neuro-Quiz „18-jähriger Patient mit rezidivierenden tonisch-klonischen Anfällen?“ [1] widersprechen. Der gezeigte Fall ist eindeutig kein WPW-Syndrom. Im gezeigten EKG lässt sich keine PQ Verkürzung, keine QRS-Verlängerung und keine T-Deformierung sehen. Außerdem ist der dargestellte EKG-Bereich isoliert rechtspräkordial.

Die Anamnese zeigt bereits: es handelt sich wahrscheinlich um eine sympathikotone Orthostase mit den typischen polymorphen „Pseudokloni“.

WPW-Tachykardien führen im Kindesalter nie – und auch sonst nur selten zu echten Synkopen. Bei Erwachsenen kann selten Kammerflimmern mit Reanimationsbedarf auftreten.

Daher stammt die Empfehlung zur EPU, wenn die Delta-Welle in der Ergometrie unter Belastung nicht schwindet – und dann zur Ablation. Das hatte der Patient aber nachweislich nicht.

Die für das WPW typischeren Dysrhythmien sind die Reentry-Tachykardien, diese sind zwar unangenehm führen aber nicht zur Ohnmacht.

Das EKG halte ich dennoch für auffällig: man sieht eine deutliche U-Welle. Wenn man diese mitrechnet kommt man bei einer HF von 67/min und einer QT(U) von 560 ms auf eine QTc von 592 ms. Das wäre ein LONG QT-Syndrom und sollte abgeklärt werden – L-EKG, Familien-EKG, Ergometrie, Genetik.

Mit freundlichen Grüßen
Detlef Stein



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Publication Date:
04 December 2020 (online)

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