Zeitschrift für Ganzheitliche Tiermedizin 2020; 34(04): 128-139
DOI: 10.1055/a-1258-7971
Ganzheitlicher Exkurs

Alle Jahre wieder – Geräuschängsten von Hund und Katze wirksam begegnen

Year after year: How to effectively counter noise fears of dogs and cats on New Yearʼs Eve
Daniela Zurr
,
Cäcilia Brendieck-Worm
,
Heidi Kübler

Zusammenfassung

Geräuschängste bei Hund und Katze stellen ein relativ häufiges, aber meist wenig beachtetes Problem dar. Oftmals zwingen erst Ausnahmesituationen, wie das Feuerwerk an Silvester, die Tierhalter zum konkreten Handeln. Unmittelbar vor dem Ereignis bleibt dem behandelnden Tierarzt dann nur noch ein Notfallplan, der sich aus Maßnahmen zur Abschirmung des Tieres, sozialer Unterstützung und sensorischem Feedback zusammensetzt – gegebenenfalls unterstützt durch die Gabe von Psychopharmaka. Regulationsmedizinische Ansätze, wie Phytotherapie oder Bach-Blüten-Therapie, brauchen etwas mehr Zeit (Beginn mindestens 1 Woche vor Silvester), zeigen dann aber gute Wirksamkeit ohne unerwünschte Nebenwirkungen oder unvorhersehbare Reaktionen. Besonders effektiv ist ihr Einsatz im Rahmen einer Verhaltenstherapie bei Tieren, die generell ängstlich sind und auch auf andere Auslöser als Geräusche reagieren.

Geräuschängste bei Hunden und Katzen sind ein vielfach unterschätztes Problem. Verschiedenen Studien zufolge wird die Häufigkeit bei Hunden mit mindestens 50% angegeben. Bei Katzen sind Geräuschängste dagegen ein weniger häufiger Vorstellungsgrund beim Tierarzt, da diese dann einfach „verschwinden“ und somit dem Halter weniger auffallen. Das alljährliche Feuerwerk zu Silvester stellt eine besondere Herausforderung für geräuschempfindliche Hunde und Katzen dar. Mit welchen Maßnahmen kann Angstverhalten und Panikattacken auch langfristig vorgebeugt werden?

Summary

Noise fear in dogs and cats is relatively common and yet it is a hardly recognized problem. It is often only in exceptional situations such as the fireworks on New Yearʼs Eve that keepers are compelled to take concrete action. The measures at the disposal of the attending veterinarian just before the event are limited to an emergency plan consisting of measures to shield the animal, social support and sensory feedback. In some cases, such measures are supported by the administration of psychopharmaceuticals. This article discusses regulatory approaches such as phytotherapy or Bach flower therapy that need a little more time and start at least one week before New Yearʼs Eve. These approaches show good effectiveness without undesirable side effects or unpredictable reactions. Their use in the context of behavioural therapy is particularly effective in animals that are generally anxious and also react to other triggers other than just noise.



Publication History

Publication Date:
10 November 2020 (online)

© 2020. Thieme. All rights reserved.

Georg Thieme Verlag KG
Rüdigerstraße 14, 70469 Stuttgart, Germany