Krankenhaushygiene up2date 2021; 16(01): 87-104
DOI: 10.1055/a-1221-2302
Infektiologie

Grundlagen der Infektionsepidemiologie im Krankenhaus

Beate Schlosser
,
Rasmus Leistner

Krankenhausepidemiologie ist mehr als nur das Zählen nosokomialer Infektionen. Sie umfasst infektiologische, mikrobiologische und statistische Analysen die einen grundlegenden Kenntnisstand in jedem dieser Felder voraussetzt. Als Grundlage jeder Risikobeurteilung im Bereich stationäre Infektionsprävention ist die Krankenhausepidemiologie daher unentbehrlich. Der Artikel möchte daher grundlegende Prinzipien und aktuelle Kennzahlen der Krankenhausepidemiologie nahebringen und für dieses spannende wissenschaftliche Feld begeistern.

Fazit

Take Home Message

Die durchschnittliche Liegedauer hat in deutschen Krankenhäusern abgenommen. Die kürzere Liegedauer birgt die Gefahr der Untererfassung nosokomialer Infektionen.

Fazit

Take Home Message

Die Atemwegsinfektion war 2016 die häufigste nosokomiale Infektion (24 % aller NI). Der Anteil der CDAD ist seit 2011 am stärksten angestiegen.

Fazit

Take Home Message

Die nosokomiale Pneumonie kann endogen durch die Standortflora des Patienten entstehen. Die nosokomiale Pneumonie kann exogen durch Erregerübertragung vom medizinischen Personal oder aus der Umgebung entstehen.

Fazit

Take Home Message

E. coli ist der häufigste Erreger nosokomialer Infektionen ([Tab. 2], [Abb. 9]).

Fazit

Take Home Message

Die zwei wichtigsten Ansätze, Infektionshäufungen zu detektieren, sind mikrobiologische Surveillance und Infektions-Surveillance.

Kernaussagen
  • Jedes Jahr werden durchschnittlich 600 000 nosokomiale Infektionen bei Patienten deutscher Krankenhäuser diagnostiziert.

  • Grundsätzlich schätzt man, dass 20 – 30 % aller nosokomialen Infektionen potenziell vermeidbar sind.

  • Bei Infektionen in Krankenhaus wird differenziert zwischen mitgebrachten und im Krankenhaus erworbenen Infektionen. Die Surveillance-Kriterien definieren solche Infektionen als mitgebracht, die vor dem 3. Tag nach stationärer Aufnahme symptomatisch waren oder durch Diagnostik bereits nachgewiesen wurden.

  • Die Genese einer nosokomialen Infektion lässt sich weiters in endogen oder exogen verursacht einteilen. Diese Formen unterscheiden sich im potenziellen Erregerspektrum, was therapeutische Konsequenzen hat.

  • Ob eine Station eher mehr oder weniger nosokomiale Infektionen hat als der „Durchschnitt“, wird gemessen in verschiedenen Kennzahlen: Prävalenz, Inzidenz und Inzidenzdichte sind die wichtigsten Begriffe, um das Infektionsgeschehen einer Kohorte beschreiben zu können.

  • Morbidität, Mortalität und Letalität umschreiben die Auswirkungen und die Relevanz einer nosokomialen Infektion für die Patienten.

  • Die 5 häufigsten nosokomialen Infektionen in Deutschland sind nach jüngsten Erhebungen der Häufigkeit nach:

    • untere Atemwegsinfektionen

    • Wundinfektionen

    • Harnwegsinfektionen

    • Clostridioides-difficile-assoziierte Diarrhöe (CDAD)

    • primäre Sepsis

  • Die pathogenetischen Prinzipien für die Entstehung einer nosokomialen Infektion mit multiresistenten Erregern sind im Wesentlichen die gleichen wie für eine Infektion durch sensible Erreger.

  • Aus den gewonnenen Erfahrungen sollten Konsequenzen in Form präventiver Ansätze gezogen werden, etwa bezüglich einer interdisziplinären Ausarbeitung infektionspräventiver Strategien.

  • Infektionshäufungen können mittels mikrobiologischer Surveillance und Infektions-Surveillance detektiert werden.

  • Bei Ausbrüchen wurden Noroviren als die häufigsten Erreger identifiziert, gefolgt von Influenza und dann erst bakteriellen Erregern.



Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
22. Februar 2021 (online)

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