Handchir Mikrochir Plast Chir
DOI: 10.1055/a-1203-0412
Consensus Statement

Wirtschaftliche Aspekte in der Mikrochirurgie: Bericht zum Konsensus-Workshop der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Mikrochirurgie der peripheren Nerven und Gefäße – (DAM)

Economic factors in microsurgery – Report of the consensus workshop of the German-Speaking Society for Microsurgery of Peripheral Nerves and Vessels – (DAM)
1  Abteilung für Hand-, Plastische und Ästhetische Chirurgie, Klinikum der Universität München, LMU München, Deutschland
2  Klinik für Plastische und Handchirurgie, Universitätsklinikum Freiburg, Medizinische Fakultät, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Deutschland
,
Björn Behr
3  Universitätsklinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte, Handchirurgiezentrum, Operatives Referenzzentrum für Gliedmaßentumoren, Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil, Bochum, Deutschland
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Michael K. Cerny
4  Klinik für Hand-, Plastische, Rekonstruktive und Verbrennungschirurgie, Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Tübingen, Eberhard Karls Universität Tübingen, Deutschland
,
Yves Harder
5  Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie, Ospedale Regionale di Lugano (ORL), Ente Ospedaliero Cantonale (EOC), Lugano, Schweiz
6  Faculty of Biomedical Sciences, Università della Svizzera Italiana, Lugano, Schweiz
,
Dirk Johannes Schaefer
7  Klinik für Plastische, Rekonstruktive, Ästhetische und Handchirurgie, Universitätsspital Basel, Universität Basel, Schweiz
,
Riccardo Giunta
1  Abteilung für Hand-, Plastische und Ästhetische Chirurgie, Klinikum der Universität München, LMU München, Deutschland
,
Christine Radtke
8  Klinische Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Medizinische Universität Wien, Allgemeines Krankenhaus der Stadt Wien, Österreich
,
9  Klinische Abteilung für Plastische, ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie, Universitätsklinikum St. Pölten, Österreich
,
Holger J. Klein
10  Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, Universitätsspital Zürich, Schweiz
,
Christian D. Taeger
11  Abteilung für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Regensburg, Deutschland
,
Rolf-Dieter Bader
12  Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau, Deutschland
,
Steffen U. Eisenhardt
2  Klinik für Plastische und Handchirurgie, Universitätsklinikum Freiburg, Medizinische Fakultät, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Deutschland
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Zusammenfassung

Im Zuge des zunehmenden Kostendrucks im Gesundheitssystem werden Therapien neben ihrer Qualität zunehmend auch hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit bewertet. Mikrochirurgische Eingriffe haben sich vor allem im Langzeitverlauf in vielen Bereichen als funktionell und ästhetisch überlegen gezeigt. Im Vergleich zu Alternativeingriffen sind sie aber auf Grund ihrer Komplexität sowie langen Operationszeiten und stationären Verweildauern mit hohen Kosten verbunden. Damit diese langfristig in hoher Qualität angeboten werden können, muss entsprechend von Seiten der Kostenträger, insbesondere auch bei interdisziplinären Eingriffen, eine adäquate, kostendeckende Vergütung erfolgen. Um einen korrekten DRG-Erlös zu erhalten sollten daher neben der Hauptdiagnose auch die relevanten Nebendiagnosen und Prozeduren richtig und vollständig dokumentiert werden. Auch der finanzielle Mehrwert eines interdisziplinären Eingriffs lässt sich durch die Erhöhung des Erlöses mit mikrochirurgischem Operationsanteil errechnen.

Zwischen den Kliniken eines Krankenhauses sollte daher eine interdisziplinäre Erlösaufteilung stattfinden. Für eine faire und transparente interdisziplinäre Leistungsverrechnung existieren mehrere Modelle, mit denen alle beteiligten Kliniken einen Mehrwert erwirtschaften können. Leider bestehen an vielen Krankenhäusern unzureichende interdisziplinäre Vergütungsmodelle, welche eine qualitativ hochwertige, kostendeckende Patientenversorgung mit mikrochirurgischen Eingriffen erschweren. Ungeachtet des zunehmenden Kostendrucks und nicht medizinischer wirtschaftlicher Aspekte muss unser Handeln als Arzt immer die bestmögliche Patientenversorgung sicherstellen.

Abstract

In addition to outcome assessments, cost effectiveness of surgical treatments becomes increasingly important. Both, insurance companies and hospital administrations aim for short and efficient procedures to reduce costs.

Microsurgical procedures are often surpassing traditional treatment options in terms of function and aesthetics. However, they are more expensive as they require a high level of surgical expertise, more theatre capacity and longer inpatient treatment. Adequate reimbursement is mandatory, if we want to continuously perform these procedures with the best possible quality and outcome. To cover the case-related expenses of each specialty, multidisciplinary procedures require appropriate distribution of reimbursements to each department.

The main diagnosis as well as all complications and relevant comorbidities should be documented to obtain the correct DRG. The additional financial benefit of a microsurgical procedure in a multidisciplinary case can be calculated by specifying the procedural increment in pay. Therefore, a fair distribution of revenues to each participating department should be performed. Different models exist, which lead to a benefit in compensation for all departments. Unfortunately, distribution of resources is still insufficiently managed in many hospitals, which hampers high quality multidisciplinary microsurgical procedures. Still, picking the best possible procedure for our patients, independently of financial incentives, is of utmost importance.



Publication History

Received: 11 April 2020

Accepted: 10 June 2020

Publication Date:
23 July 2020 (online)

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