Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-1173-8918
Originalarbeit

Vereinbarkeit von Beruf und Pflege: Wie wirkt sich Erwerbstätigkeit auf die Gesundheit pflegender Angehöriger aus?

Balancing Work and Caregiving: Impact of Employment on the Health of Family Caregivers
Katharina Bidenko
1  Lehrstuhl für Management und Innovation im Gesundheitswesen, Universität Witten Herdecke, Witten
,
Sabine Bohnet-Joschko
1  Lehrstuhl für Management und Innovation im Gesundheitswesen, Universität Witten Herdecke, Witten
› Author Affiliations

Zusammenfassung

Ziel Die Studie untersucht, inwieweit die Gesundheitsauswirkungen der informellen Pflege durch den kontextuellen Faktor Erwerbstätigkeit beeinflusst werden.

Methodik Die Analyse basiert auf repräsentativen Bevölkerungsdaten aus den Jahren 2015 und 2016 (n=19 791). Als Untersuchungsgruppe „pflegende Angehörige“ definiert werden Personen, die mindestens eine Stunde pro Woche eine pflegebedürftige Person informell unterstützen, betreuen oder versorgen. Durch Anwendung von Propensity Score Matching wird eine strukturangepasste Vergleichsgruppe identifiziert. Anhand eines multivariaten Regressionsmodells werden Zusammenhänge in der Gruppe der pflegenden Angehörigen und der strukturangepassten Vergleichsgruppe analysiert. Für eine grafische Darstellung werden Untergruppen zum zeitlichen Einsatz im Hinblick auf Angehörigenpflege und Erwerbstätigkeit gebildet.

Ergebnisse Die psychische Gesundheit pflegender Angehöriger verschlechtert sich mit zunehmendem Aufwand für die Betreuung (B=-0,44; p=0,02). Die negativen gesundheitlichen Auswirkungen der Angehörigenbetreuung werden durch die Erwerbstätigkeit verringert (B=0,58; p<0,01), allerdings nur bis zum einem bestimmten zeitlichen Arbeitseinsatz. Bei einem höheren zeitlichen Aufwand für beide Tätigkeiten nimmt der moderierende Effekt ab (bis zu 32% der Standardabweichung).

Schlussfolgerungen Der signifikante moderierende Effekt der Erwerbstätigkeit ist in der Wirkung maßgeblich durch die Gesamtbelastung aus den beiden Tätigkeitsbereichen geprägt. Die Ergebnisse vermitteln einen Eindruck von der potentiell stärkenden und schützenden Wirkung von Erwerbstätigkeit auf die gesundheitlich negativen Auswirkungen der Angehörigenbetreuung.

Abstract

Aim The aim of this study was to investigate how the health effects of informal care are influenced by the contextual factor employment.

Methodology The analysis is based on representative German population data for 2015 and 2016 (n=19 791). The focus group „family caregivers“ includes persons who informally support or care for a person at least one hour a week. A comparison group was identified by using propensity score matching. Relations in these two groups were examined by employing multivariate regression analysis. For a graphic presentation, subgroups were formed with regard to the amount of time spent on family caregiving and work.

Results The mental health of family caregivers deteriorated with increasing effort for caregiving (B=-0.44; p=0.02). The negative health effects of family caregiving were reduced through employment (B=0.58; p<0.01), but only up to a certain number of working hours. With a higher workload for both activities, there was a decrease in the moderating effect (up to 32% of standard deviation).

Conclusions The significant moderating effect of employment is mainly influenced by the overall burden in the two areas of activity. Results suggest the potentially protective and restorative effects of employment on family caregivers’ health.



Publication History

Publication Date:
09 July 2020 (online)

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